Zu meinem Unglück habe in letzter Zeit immer häufiger mit seltsamen technischen Problemen aller Art zu kämpfen. Angefangen hat es hier im Blog. Eigentlich nichts Schweres, dachte ich am Anfang – zumal ich noch nicht einmal selbst die Installation vornahm. Und auf der WordPress-Website steht ja irgendwas mit “In fünf Minuten zum Blogger-Glück”. Ich habe mir also nichts schlimmes dabei gedacht.
Mittlerweile mag ich gar nicht an die Zeit zurück denken, als ich diesen Blog regelmäßig, sprich spätestens jeden dritten Tag, kaputt spielte. Und zwar nicht so, dass die Seiten nicht gut aussehen. Nein. Sie ließen sich überhaupt nicht mehr aufrufen. Es rödelte und rödelte und nichts passierte. Nach mehreren verzweifelten Anfragen bei meinem Support kam heraus, dass ich tatsächlich nicht einmal Schuld an der Misere war, sondern irgendein Bug in der Serverkonfiguration. Immerhin. Ich war glücklich, dass der Fehler behoben war und ich endlich weitermachen konnte.
So, dann wollte ich die nächsten Plugins installieren. Und mit jedem! einzelnen! Plugin, welches ich installiert habe, ging ein anderes nicht. Und das wiederum hat die Seite kaputt gemacht. Oder alle Bilder verschwinden lassen. Oder die Links nicht mehr in einem neuen Fenster aufgehen lassen.
Ich habe die Plugins wieder deinstalliert. Und es macht mir nichts, dass ich kein einziges Plugin über die Oberfläche installieren kann, sondern immer nur über ein FTP-Programm. Es stört mich nicht, dass ich keine PNGs hochladen kann. Nein, ich kann sie gerne nochmal als JPG speichern.
Mittlerweile bin ich so abgestumpft, dass ich mich davon weder irritieren noch ablenken lasse und mir einbilde, dass es einfach so sein muss.
Denn ich könnte mich jedes Mal darüber aufregen und locker stundenlang damit verbringen, nach einer Lösung zu suchen und dabei verrückt werden. Denn meistens sind es irgendwelche Fehler, die sonst kein Mensch hat, hatte, kennt, oder über den man schon mal was gehört hat.
Wie damals Youtube. Ich hatte Internet, ich hatte Vimeo, Flash funktionierte einwandfrei, es war alles da. Nur Youtube nicht. In den ersten Tagen dachte ich noch, hmmm, komisch, wahrscheinlich überarbeiten sie gerade das System. Wieder ein paar Tage später dachte ich, dass es doch langsam mal gut sein musste. Und habe angefangen zu suchen, warum es nicht funktioniert. Mein Betriebssystem? Meine Browserversion? Mein Flashplugin? Anderer Browser? A-l-l-e-s mögliche habe ich ausprobiert, nichts konnte mein Problem lösen. Youtube lief nicht, nur auf dem iPod. Ja. Was sollte ich denn bitteschön mit dieser Information anfangen? Zwei Geräte, die über die gleiche Leitung online gehen, eins funktioniert, das andere nicht.
Ich habe meinen Laptop mit zur Arbeit geschleppt. Und siehe da: es hat funktioniert. Es musste also an meiner Leitung liegen. Nirgends im Internet gab es eine Antwort auf dieser Frage – es scheint tatsächlich so gewesen zu sein, als wäre ich der erste Mensch gewesen, der Youtube kaputtgeklickt hat. Oder jemand hat mein Youtubekabel mitgehen lassen.
Meine verzweifelte Tat: einen Freund anrufen, der sich “mit Computern auskennt”. Oöch, ich finde es gibt kaum was Schlimmeres, als Leute, die bei jemanden anrufen, nur weil sie alleine nicht zurecht kommen. Dann sollten sie sich keinen Computer anschaffen; sie hätten mit einem Fernschreiber sicher ein schöneres Leben. Aber ich war ja schon dabei, meinen Verstand zu verlieren.
Der Freund hat sich mein Gejammer geduldig angehört, sich mit einem suuuper abgefahrenen Programm bei mir eingeloggt, hier geklickt, dort was eingetragen, hier was gemacht, dort ein Screenshot und ein Fazit gezogen: er kommt auch nicht weiter. Aber das Problem müsste der Router zu sein, der Lorem Ipsum dolor sit amet (so meine Zusammenfassung der Sachlage).
Es war schon sehr witzig, bei dem Kundenservice meines Vertrauens anzurufen und zu erklären, dass sie mir ein sehr schönes Internet zur Verfügung stellen, ich aber auch gerne Youtube hätte. Die ganze Situation darf man irgendwelchen Tippsen erzählen, die dann “ich verbinde sie mal mit der Technik weiter” sagen. Kostenpflichtige Minuten später, endlich bei der Technik angekommen, darf man wieder Kundennummer, Passwort und Problem schildern. Alles von vorne. Und dann ist die Verbindung weg. Ist ja nicht so schlimm, dann ruft man eben nochmal an. Schlimm ist es, das Gekicher in den Hintergrund zu hören (“thihihi, die da hat Internet aber kein Youtube, thihihi”).
Nun – auch dieses Problem ist gelöst, inzwischen kann ich meinen Router anschließen und selber konfigurieren, denn: er war kaputt. Wie auch immer, das konnten sie sich auch nicht genau erklären, aber die Youtube Adresse konnte einfach nicht ausgelesen, übertragen, dekodiert oder verschlüsselt werden oder was weiß ich.
Danach lief mein Leben fast wie in geregelten Bahnen, abgesehen von eher kleinen Zwischenfällen, die ich gar nicht mehr beachtete:
- Das iPhone ließ sich nicht mit meinem Betriebssystem synchronisieren
- Mein Telefonbuch zeigte manchmal alle Einträge doppelt an
- Die Kamera auf dem iPhone ließ sich nicht mehr öffnen, wenn ich einmal den Blitz benutzt habe
- Ich konnte keine Bilder drehen und speichern mit Vorschau. Bzw. konnte ich schon, nur werden sie genauso gespeichert wie ich sie geöffnet habe
- Mein Laptop tat so, als würde er sich aufladen. Ich zog den Stecker raus und ging abgelenkt in einem anderen Raum. Und musste in großer Eile zurücklaufen, weil er mit Reservebatterie gearbeitet hat. Manchmal. Manchmal war es schon zu spät. Und manchmal war er aufgeladen.
Und selbst wenn ich denke, ich muss zum Ausgleich wieder etwas weiblicheres machen, weil es mir vielleicht besser gelingt: Der Backofen, der sowieso oben kaum und unten unfassbar doll backt, verliert zudem seine Bestandteile und lässt sie in den Kuchenteig fallen.
Ja, es soll einfach nicht sein. Ich denke manchmal tatsächlich, es gibt irgendwo versteckte Kameras. Denn es kann kein Zufall sein, dass die Hälfte der o.g. Punkte nur dann auftreten, wenn ich alleine zu Hause bin. Wenn ich mich aufrege und anderen die Probleme zeige – da funktioniert alles wie am Schnürchen.
Ja, um die Geschichte komplett zu machen, und eigentlich ist es auch das, was ich schon ganz am Anfang sagen wollte, habe ich heute wieder das Internet kaputt gemacht. Ich habe einen neuen Computer hingestellt, angeschlossen, mich gefreut (bzw. weniger gefreut, als ich gesehen habe, dass der Anschluss für den Extramonitor schon wieder ein anderer ist) und versucht, ins Internet zu gehen. Nichts. Er konnte mein wlan finden, aber kein Internet. Und das obwohl das Licht “Internet” auf dem Gerät leuchtete.
Ich habe hier gefummelt, da gefummelt, hier nochmals was versucht, nichts. Laptop: ja. iPhone: ja. Computer: nein. Router aus- und angemacht, aus- und angemacht, aus- und angemacht. Und irgendwann habe ich auf die Resettaste gedrückt. Und wieder bei dem Kundencenter meines Vertrauens angerufen.
Ich hörte schon das Stöhnen des Technikers als ich sagte
“Ich befürchte, ich habe meinen Router zurückgesetzt”.
“Uff! Wie haben Sie das denn gemacht?”
“Mit einem Zahnstocher.”
“Und warum, um Gottes Willen?”
“Na, weil ich kein Internet hatte. Also zumindest nicht überall…”
Solche Gespräche können überraschenderweise doch ganz nett werden, wenn man den Techniker ihre fünf Minuten lässt, bis sie merken, dass man eigentlich eine bewusst entschiedene und kontrollierte Dummheit produziert hat. Man muss es wie immer nur begründen können. Und ich finde, “mir erschien es logisch” zählt dazu.
Wie dem auch sei: auch diesmal hatte ich keine Schuld. Für alle unter euch, die diese weiße Alice-Box haben mit einem roten Knopf oben drauf: macht auf jeden Fall ein Update der Firmware, bevor ihr euren hübschen iMac auspackt. Denn das Gerät ist so toll, das konfiguriert einfach euren Router neu und dann steht ihr wie ich da: ohne Internet, mit einem Hansenettypen am Ohr, während eine Verpackung in der Verpackung in der Verpackung geöffnet wird, um das nötige lan-Kabel zu finden.
Aber auch das hat was schönes: je später in der Nacht man beim Kundencenter anruft, desto schneller kommt man dran. Es funktioniert!
Update
Ich bin endlich ein freier Mensch. Nachdem ich lange Zeit darüber nachgedacht habe, was für einen Kalender ich benutzen sollte, erscheint mir das Leben plötzlich leicht und problemlos. Denn alle!! Termine, die ich mühsam in mein iPhone eingetragen habe, sind verschwunden. Ich habe nun alle Zeit der Welt. Es fühlt sich herrlich an.
