Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Das Gelassenheitsgebet. Oder, kurz: Dann ist das halt so.

Vor einem Jahr hatte ich über einen gesundheitlichen Schicksalsschlag geschrieben, der uns den Boden unter den Füßen wegzogen hat. Unser Leben wurde auf den Kopf gestellt.

Der Anruf kam am frühen Morgen. So früh, dass der Blick auf mein Handydisplay mich kurz erschaudern ließ: ein Anruf in Abwesenheit, eine Nachricht auf meiner Mailbox. Meine Frau fuhr sofort los und es folgten Stunden der Ungewissheit – aus denen Tage, Wochen und Monate wurden. Das erste Jahr nach dem Schlaganfall ist inzwischen rum und wir wissen alle immer noch nicht, was der nächste Tag mit sich bringen wird.

In dieser Zeit durfte ich unglaublich viel über mich und meine Familie lernen. Wir sind einander so nahe gekommen wie noch niemals zuvor. Tagtäglich durfte ich erfahren, was Familienzusammenhalt bedeutet – ein Gefühl, das mir lange unbekannt war. Gemeinsam haben wir den anfänglichen Schockzustand überwunden, die ersten Verzweiflungen überstanden und jede noch so große Hürde gemeistert. Wir standen und stehen beieinander, wenn die Hoffnung zu schwinden droht.

Dann ist das halt so.

Wir können nichts an der Situation an sich ändern. Wenn nach einem Schlaganfall mehr zurückbleibt als ein schiefer Mundwinkel, muss man sich mit dem neuen Leben arrangieren. Neu anfangen. Das gilt für den Betroffenen ebenso wie für die Familienangehörigen. Und ich bin unglaublich stolz auf das, was wir alle jeden Tag leisten. Auf jeden einzelnen Fortschritt, auch wenn er noch so lange auf sich warten lässt. Dann ist das halt so, aber den Mut kann uns keiner nehmen. Und wenn unsere Tapferkeit manchmal schwindet, sind wir füreinander da.

Das Leben nach einem Schlaganfall

Vorbild Familie

Zu gerne hätte ich meinem Kleinen gezeigt, was für ein tolles Vorbild meine (angeheiratete) Familie ist. Eine Familie mit Ecken und Kanten, in der die wirkliche, wahre Liebe gelebt wird. Manchmal macht mich das traurig, dass der Lütte sie nicht so kennenlernen wird wie ich sie kennenlernen durfte. Und dann bin ich wieder froh, dass er in genau dieser Familie groß wird, in der die wirkliche, wahre Liebe gelebt wird – in jeder Lebenslage, bedingungslos. Dann ist das halt so.