Das Leben ist bunt! Um das zu beweisen geht meine Reihe „Regenbogenfamilien erzählen“ mit einem ganz besonderen Gast in die sechste Runde: Jochen König, Autor und Blogger. Zusammen mit seinen beiden Kindern lebt er in Berlin. Sein aktuelles Buch „Mama, Papa, Kind?“ handelt von seiner und vielen anderen Familien: Co-Elternschaft, Ein-Eltern- und Regenbogenfamilien sind nämlich längst Teil unserer Gesellschaft. Es ist Zeit, umzudenken. Ein persönliches und zugleich brisantes Buch, das eines deutlich macht: Es geht um das Wohl der Kinder. Ob in der Kleinfamilie oder der Wohngemeinschaft. Vielen Dank lieber Jochen für deine offenen Worte! Und euch allen viel Spaß beim Lesen.

Ich habe zwei Kinder zusammen mit drei Müttern.

Meine beiden Töchter leben jeweils etwa zur Hälfte bei mir und zur Hälfte bei ihren jeweiligen Müttern. Wir sind eine Co-Eltern-Familie, in der wir uns auf freundschaftlicher Basis für ein Kind entschieden haben, wir sind eine Regenbogenfamilie, wir sind eine Patchworkfamilie, in der die Kinder teilweise unterschiedliche Elternteile haben, und wenn die Kinder bei mir sind, sind wir zu dritt eine Ein-Eltern-Familie.

Meine Familie ist groß.

Sehr viele Menschen sind beteiligt, Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, die alle berücksichtigt werden wollen. Es dauert eine Weile, um beispielsweise die Sommerferien und unterschiedliche Urlaubszeiten und Urlaubswünsche zu koordinieren. Andererseits bietet meine große Familie auch viele Möglichkeiten, gegenseitige Unterstützung und viele Schultern, die die Familie tragen.

Wir haben einen festen Wochenplan, der sich alle 14 Tage wiederholt.

Manchmal sind beide Kinder bei mir, manchmal jeweils nur eins und regelmäßig verbringe ich auch Zeit ganz ohne meine Kinder. Ich liebe die Zeit, die ich mit beiden Kindern verbringe. Meine beiden Töchter sind wunderbare Schwestern, die aufeinander aufpassen, miteinander spielen, sich gegenseitig oder zusammen mich ärgern. Ich liebe die Zeit, die ich alleine mit jeweils einem Kind verbringe, wenn ich mich viel besser den individuellen Interessen eines der Kinder widmen kann, unsere Morgenroutinen viel stressfreier funktionieren und ich abends mehr Zeit zum Vorlesen habe. Ich liebe auch die Zeit, die ich alleine ohne Kinder verbringen kann. Anders als viele andere Eltern mit kleinen Kindern habe ich regelmäßig kindfreie Tage. Ich bin nicht nur Elternteil, sondern habe darüber hinaus noch Zeit für viele andere Interessen, kann an jedem zweiten Wochenende lange wach bleiben, ausgehen und ausschlafen.

Regenbogenfamilie aus Berlin: Jochen König erzählt

Ich habe mich entschlossen,

mehr Zeit mit der Sorge für meine Kinder zu verbringen als die meisten anderen Väter und dafür Job- und Karriereambitionen zurückgestellt. Als ich bei meinem ersten Kind gemerkt habe, wie anstrengend es ist, Paarbeziehung und Eltern-sein miteinander zu vereinbaren und wie schwierig es ist, nach einer Trennung weiterhin gemeinsam das Leben unseres Kindes zu organisieren, hatte ich die Idee, ein weiteres Kind mit einer Person zu bekommen, die nicht meine Partnerin ist und dies auch nie war. Zusammen mit einer Freundin habe ich ein Kind auf Basis unserer Freundschaft geplant. Zusammen mit ihrer Partnerin haben wir uns entschieden, für dieses Kind zu dritt drei gleichberechtigte Eltern zu sein.

Familien sind immer viel komplexer,

als es sich in einem einzelnen Blogpost darstellen lässt – auch meine Familie besteht noch aus vielen weiteren Geschichten und Aspekten. Ich kann mir meine Familie nicht besser vorstellen und würde die großen Entscheidungen, die dazu geführt haben, dass meine Familie so ist wie sie ist, jedes Mal wieder so treffen. Das heißt nicht, dass ich nicht auch manchmal an meine Grenzen stoße und ich das Leben mit zwei Kindern nicht auch manchmal ganz schön anstrengend finde. Wir wollen alle gerne auch mehr Zeit zusammen als große Familie verbringen. Das kommt im Alltag vor allem in der ersten Zeit mit kleinem Kind manchmal etwas zu kurz, aber ich finde wir schaffen das schon ganz gut.

Häufig muss ich unsere Familienkonstellation erklären

und mir abwertende Kommentare anhören und lesen. Von einer vermeintlichen gesellschaftlichen Normalität abweichende Familienkonzepte sind leider noch lange nicht komplett akzeptiert, rechtliche Regelungen sind leider noch immer viel zu oft auf eine gesellschaftlich konstruierte Mama-Papa-Kind-Norm ausgerichtet und berücksichtigen nicht die bereits vorhandene Vielfalt von Familienkonstellationen. Es wird Zeit, dass sich das ändert.

Vielen Dank lieber Jochen für diesen tollen, ehrlichen Text!

Jochen König ist Autor und Blogger. Zusammen mit seinen beiden Kindern lebt er in Berlin. Sein aktuelles Buch „Mama, Papa, Kind?“ handelt von seiner und vielen anderen Familien.

Wollt ihr auch mitmachen?

Ich freue mich immer über neue Familien (auch welche in spe), die mitmachen möchten. Und ein offenes Ohr für eure Fragen habe ich auch noch – falls ihr schon immer etwas über das Thema wissen wolltet, her damit!
Hier könnt ihr mich kontaktieren – ich freue mich von euch zu hören.