Das Leben ist bunt! Eine ganz besondere Regenbogenfamilie gibt uns im siebten Teil meiner Reihe „Regenbogenfamilien erzählen“ einen Einblick in Ihr Leben. Vielen Dank liebe Nina und liebe Jane für eure offenen Worte! Und euch allen viel Spaß beim Lesen. Wer mehr erfahren möchte, kann gerne auf Ninas Blog Frau Papa vorbei schauen!

Nina und Jane leben mit ihrer Patchwork-Regenbogenfamilie in Ostwestfalen. Als sie sich kennen lernten, war Nina nach außen noch in Mann, erst seit zwei Jahren lebt sie offiziell als Frau.

Lebt ihr in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft?

Nein. Transsexualität führt in der Bürokratie zu einigermaßen kuriosen Situationen: Wir waren vor der Personenstandsänderung verheiratet und die Ehe bleibt auch nach dieser Änderung eine Ehe. In der neuen Heiratsurkunde ist Nina „Ehemann weiblichen Geschlechts“. Kein Witz. Das Finanzamt führt mich zwar als Frau, da wir aber eine Ehe führen (und die Formulare eine Ehe wie unsere nicht kennen) bekommt Herr Nina J. mindestens einmal im Jahr Post.
Wir verstehen nicht, warum es uns erlaubt ist eine Ehe zu führen und anderen gleichgeschlechtlichen Paaren nicht.

Wie ist euer Kinderwunsch in Erfüllung gegangen?

Durch die Umstände unserer Beziehung sind wir beide die biologischen Eltern unserer zwei jüngsten Kinder.

Wie macht ihr das mit dem Erzeuger?

In der Geburtsurkunde der Kinder steht ein Mann als Vater. Es ist ein Name, den es inzwischen nicht mehr gibt. Auch die Personenstandsänderung ändert daran nichts. Der Erzeuger der Kinder ist ein Mann, den es außer in den Geburtsurkunden nicht mehr gibt.

Wie nennen Euch Eure Kinder?

Zu Jane sagen die Kinder Mama. Vor etwa zwei Jahren (etwa seit Nina öffentlich als Frau lebt) haben wir ein Gespräch mit den Kindern geführt. Wir haben sie gebeten, den alten, männlichen Namen nicht mehr zu verwenden und stattdessen Nina oder Papa zu sagen. Wir sahen keinen Grund, das Wort Papa, das mit vielen Gefühlen verbunden ist, gegen ein anderes auszutauschen. Natürlich verwirren wir damit manchmal Leute, wenn im Supermarkt die Kinder Papa rufen und eine Frau sich umdreht, aber „Frau Papa“ passt perfekt zu unserer Familie.

Interessant ist, dass andere Eltern in Schule und Kindergarten oft erstaunt reagieren, wenn wir erklären, dass Nina „die Papa“ ist.

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Habt ihr Eure Kinder aufgeklärt? Wie haben habe sie es aufgenommen?

Natürlich haben wir mit den Kindern gesprochen. Die ersten Schritte in der Transition waren winzig (mal Nagellack und andere Schuhe) und wir haben uns bewusst entschieden, die Veränderungen so langsam wie nötig durchzuführen, damit die Kinder jederzeit die Möglichkeit haben, damit umzugehen. Unsere Kinder dürfen jederzeit Fragen stellen und bekommen eine ehrliche Antwort. Sie hatten auch die Möglichkeit zu sagen, wenn etwas nicht passt und haben das – gerade als es soweit war, die ersten Schritte in die Öffentlichkeit zu machen – auch gemacht.

Was wir den Kindern sagten, möchte ich an einem Beispiel schildern. Am Muttertag vor dreieinhalb Jahren, fragte unser mittlerer Sohn (damals 4) sehr spontan: „Papa, bist du eigentlich ein Mann oder eine Frau?“ – „In meinem Kopf bin ich eine Frau und mein Körper ist ein Mann.“ Mit dieser Antwort war er damals zufrieden und gratulierte mir zum Muttertag. Ein paar Wochen später gratulierte er mir auch zum Vatertag.

Als wir entschieden haben, den Weg gemeinsam zu gehen, war uns klar, dass wir nichts machen würden, das unseren Kindern nicht gut tun würde. Inzwischen ist der jüngste fast sechs und alle Kinder bringen immer wieder auch Freunde mit nach Hause. Das zeigt uns, dass sie sich offenbar nicht für uns schämen.

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Welche Reaktionen habt ihr aus Eurem Umfeld (Freunde, Familie, Kollegen)?

In unserem direkten Umfeld waren die Reaktionen durchwegs positiv. In Kindergarten und Schule ist Nina Elternvertreterin und selbst Eltern, die anfangs skeptisch waren, haben sich nach kurzer Zeit an uns gewöhnt.

In der Familie trafen wir sowohl auf Verständnis, als auch auf Zurückweisung. Bis heute fällt es einigen Teilen der Familie schwer, die Veränderung zu akzeptieren.