Das Leben ist bunt! Schon zum achten Mal habe ich hier auf dem Blog die Ehre die Reihe „Regenbogenfamilien erzählen“ fortzuführen. Auf die heutige Familie freue ich mich ganz besonders – denn das sind meine wunderschönen Freundinnen Anni & Carrie, die mit mir seit vielen Jahren durch Dick & Dünn gehen. Vielen Dank Mädels für eure Freundschaft! Und euch allen viel Spaß beim Lesen.

Anni und Carrie leben mit ihrer Regenbogenfamilie in Hamburg und sind Mütter eines wunderbaren Sohnes, der bald mit unserem wunderbaren Sohn die Stadt unsicher machen wird.

Lebt ihr in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft?

Ja, wir sind seit Juli 2014 „verpartnert“, wobei wir uns selbst als verheiratet sehen, obwohl uns natürlich bewusst ist, dass wir aus rund 150 Regelungen in 54 Gesetzen nicht gleichgestellt sind. Dies bedauern wir sehr.

Empfindet ihr euch dadurch der Ehe gegenüber als gleichberechtigt?

Nein. Allein schon durch die unterschiedliche Betitelung „Ehe“ und „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ liegt die Diskriminierung bereits in der Sprache. Natürlich sind wir in vielen Themenbereichen, wie beispielsweise dem Ehegattensplitting, bereits gleichberechtigt, dennoch sind wir vor allem rund um das Thema Kinder nicht nur stark benachteiligt, sondern es findet hier ein massiver Einschnitt in unsere Privatsphäre statt.

Wenn nicht: was würdet ihr daran ändern wollen?

Wenn zum Beispiel in Norwegen ein Kind in eine Ehe (dort ist die Ehe als solche auch für homosexuelle Paare anerkannt) geboren wird, dann sind die Ehepartner unabhängig ihres Geschlechts automatisch die Eltern. Da gibt es diese ganze „Abgabe zur gebundenen Adoption“ und „Beurteilung der Bindung zwischen Kind und Co-Mutter seitens des Jugendamtes“ nicht. Und genau so muss es sein.Diese Regelung gilt in Deutschland auch – allerdings nur für heterosexuelle Paare. Es wird von Homogegnern immer mit dem Kindeswohl argumentiert und dem Schutze der Familie. Genau das ist auch unser Anliegen: Wir würden ALLE Familien schützen wollen, zum Wohle der Kinder. Denen ist es schnurzpiepe, wen ihre Eltern lieben, solange das vor allem SIE SELBST sind. 😉

Regenbogenfamilie Hamburg

Wie ist euer Kinderwunsch in Erfüllung gegangen?

Zuhause durch die Hilfe eines wunderbaren Freundes und eines Bechers.

Wie macht ihr das mit dem Erzeuger? (wie soll er genannt werden?)

Der Erzeuger ist der biologische Vater unseres Kindes und wird von ihm voraussichtlich einfach mit seinem Vornamen angesprochen.

Wie nennen euch eure Kinder?

Das gilt es noch herauszufinden…

Habt ihr eure Kinder aufgeklärt? Wie haben sie es aufgenommen?

Wir planen absolute Transparenz.

Wie habt ihr den Umgang mit den Behörden empfunden?

Das können wir natürlich noch nicht beantworten, uns graut allerdings vor dem Termin, an dem ein/e Mitarbeiter/in vom Jugendamt zu uns nach Hause kommen und die Beziehung zwischen Carina und unserem Sohn beurteilen wird. Nicht, weil wir Angst vor der Beurteilung haben, sondern weil wir die Situation an sich schon im Vorfeld als einen unerhörten Eingriff in unsere Privatsphäre empfinden.

Welche Reaktionen erfahrt ihr aus eurem Umfeld (Freunde, Familie, Kollegen)?

Die Reaktionen unseres Umfeldes lassen sich bisher in einer einzigen Beschreibung zusammenfassen: Totale Begeisterung. Egal, ob werdende Großeltern, Geschwister, Freunde, Bekannte, Vereinskollegen, Arbeitskollegen, etc. alle reagierten bisher durchweg positiv, sehr interessiert und freudig.

Nicht alle gehen gleich gut damit um. Was haben eigentlich die Menschen für ein Problem, die Vorbehalte haben?

Die Homophobie hat ihren Quell vermutlich an der gleiche Stelle wie der Fremdenhass… Ungewohntes, Unbekanntes, Anderes macht den Menschen einfach Angst. Es kratzt an der eigenen mühselig angefertigten Lebensblase und bringt erlernte Weltbilder ins Wanken. Wir sind der Meinung, dass durch Sichtbarkeit und Repräsentation vieler verschiedener Familienbilder ein Gefühl von „das kenn ich, das hab ich schon oft gesehen“ entstehen kann. Denn triftige Argumente gegen Liebe gibt es nicht.

Gibt es Situationen, in denen ihr euch als Regenbogenfamilie diskriminiert fühlt?

Definitiv. Wir wünschen uns ein Familienrecht. Eine Anerkennung und staatlichen Schutz unserer Familie vor dem Gesetz. So wie es dies für die Ehe gibt.

Wollt ihr auch mitmachen?

Ich freue mich immer über neue Familien (auch welche in spe), die mitmachen möchten. Und ein offenes Ohr für eure Fragen habe ich auch noch – falls ihr schon immer etwas über das Thema wissen wolltet, her damit!
Hier könnt ihr mich kontaktieren – ich freue mich von euch zu hören.