Mit wildem Lesbensex. Mit heißem, leidenschaftlichem, obszönem Lesbensex. Unsere Körper gierten nacheinander, wir stöhnten immer lauter und riefen dabei den Namen unseres Spenders, damit er rechtzeitig den Becher mit seiner milden Gabe diskret auf unseren Nachttisch stellen konnte.
Du weißt schon. Wenn aus Liebe Leben wird.

So oder ähnlich könnte eine viel zu intime Antwort auf diese viel zu intime Frage lauten. Eine Frage, die für gleichgeschlechtliche Familien leider alltäglich ist:

Und, wie habt ihr euer Kind gezeugt?

Ich meine gut, ganz und gar uninteressant ist die Frage nicht, schließlich kommt man bei Regenbogenfamilien mit Bienchen und Blümchen nicht allzu weit.
Einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar begegnet man nun mal nicht alle Tage und ich begrüße es, wenn man offen und mit einer gesunden Neugierde aufeinander zugeht. Was aber zu viel ist ist zu viel – schließlich möchte ich auch nicht wissen, was die Marktverkäufer, Postboten oder Heizungsableser meines Vertrauens veranstalten wenn nachts die Lichter ausgehen.

Der Kinderwunsch bei gleichgeschlechtlichen Paaren kann auf viele Arten und Weisen in Erfüllung gehen. Egal für welchen Weg man sich entscheidet: ich bin mir ziemlich sicher, vorher hat ihn ein heterosexuelles Paar schon mal beschritten. Ob künstliche Befruchtung, (Stiefkind-)Adoption, Aufnahme eines Pflegekindes und selbst Samenspende. Nur interessiert es in der Regel niemanden. Zumindest niemanden, den man ein Mal und nie wieder in seinem Leben sieht.

Ich wünsche mir von meiner Umwelt etwas mehr Fingerspitzengefühl. Noch mehr als das: ich wünsche mir mehr Respekt. Ich empfinde diese Frage als eine freche Übertretung meiner Privatsphäre wenn sie mir von einem wildfremden Menschen gestellt wird.
Paradox? Ja vielleicht. Denn die allererste Frage meiner Interviewreihe „Regenbogenfamilien erzählen“ lautet „wie ist euer Kinderwunsch in Erfüllung gegangen?“ was nichts anderes ist als „und, wie habt ihr euer Kind gezeugt?“

Und trotzdem empfinde ich die Frage in dem Fall als berechtigt, denn in diesem Kontext dient sie der Aufklärung. Hier lesen viele Regenbogenfamilien (in spe) mit, die den Austausch schätzen. Einige „meiner“ Familien suchen den Kontakt zueinander, ich bekomme häufig Mails von Paaren, die auf der Suche nach Informationen sind wie sie ihren Kinderwunsch erfüllen können. An dieser Stelle Danke dafür, dass dieser Blog eine kleine Plattform für euch ist!
Den wenigsten, die hier mitlesen, unterstelle ich Voyeurismus. Die Rückmeldungen zu den Interviews sind durchgehend positiv und häufig sind die Leser überrascht, dass es so viele Hürden auf dem Weg zum Wunschkind gibt. Auch hier danke ich euch, den unterschiedlichsten Familienformen mit so viel Respekt zu begegnen.

Aber was mich jetzt brennend interessieren würde: Wie habt ihr denn euer Kind gezeugt? 😉