„Mama kommt gleich wieder!“
Nein, tut sie nicht. Denn Mama ist auf der Arbeit und erst heute Abend wieder da. In der Zwischenzeit sorgt Mami für Verwirrung. Oder, um es noch komplizierter zu machen: Mamãe.

Ich möchte euch heute eine ganz niedliche Geschichte erzählen. Etwas, über das ich mir nie Gedanken gemacht habe, bis der konkrete Fall eingetreten ist:

Wer ist hier die Mama? Und wenn ja, wie viele?

Der Kleine geht inzwischen in die Krippe. Darüber habe ich mir natürlich sehr viele Gedanken gemacht, wahrscheinlich die gleichen wie alle Eltern auch. Ist das die richtige Kita, ist der Kleine denn schon soweit, machen wir überhaupt das Richtige? So weit, so viel Verunsicherung.
Bei uns hat allerdings noch ein Punkt eine Rolle gespielt: wie gehen die Erzieherinnen, die anderen Kinder und deren Eltern mit dem Thema gleichgeschlechtliche Familie um? Die Erzieherinnen haben sich von Anfang an gleich zum „Vorstellungsgespräch“ ganz klar positioniert und uns damit die Entscheidung etwas leichter gemacht. Wie die anderen reagieren bleibt noch abzuwarten – der Kleine ist noch nicht so lange da, dass es den anderen Kindern bewusst aufgefallen wäre (z.B. dadurch dass meine Frau ihn abholt, er Mama zu ihr sagt und die Kinder sich fragen warum). Und falls die Gerüchteküche brodelt habe ich davon noch nichts mitbekommen. Hier bleibt es also abzuwarten wie das Ganze sein wird.

Aber es wäre natürlich langweilig, wenn es in der Zwischenzeit keinen Grund zur Verwirrung gegeben hätte 😃 Der Lütte kann inzwischen das eine oder andere Wort aussprechen. Dazu gehören „Mama“ und „Mamãe“ – Mama auf Portugiesisch (wir erziehen den Kleinen zweisprachig). Die benutzt er ziemlich sicher um die eine oder andere von uns zu rufen.
So langsam lassen wir die Eingewöhnung in der Kita hinter uns. Ich bringe ihn also hin und fahre los. Und die Erzieherinnen erklärten ihm: Mama kommt gleich wieder! Nur: Mama kommt nicht. Sondern Mamãe.

Ich habe die Erzieherinnen darauf angesprochen und sie darum gebeten, mich Mamãe zu nennen wenn sie über mich sprechen, denn die Mama ist meine Frau. Das war natürlich überhaupt kein Problem, was mich sehr freut. Der Kleine weiß dass ich gemeint bin und ich denke, dass ihn das sonst verwirren würde. Ich meine, unsere Situation ist damit vergleichbar als würde eine „Mama“ vor der Tür stehen und die Erzieherin würde sagen „schau mal, Papa ist da!“ – das wäre auch für einen Erwachsenen nicht ganz verständlich…

Wie ist es bei euch? Bei meiner Reihe „Regenbogenfamilie erzählen“ berichten etliche Familien über ihre Erfahrungen, aber wie zeigt sich das im Alltag – konkret? Sprecht ihr Leute darauf an, wie sie euch anzusprechen haben? Das würde mich wirklich interessieren und ich freue mich sehr über eure Kommentare!

Eine Regenbogenfamilie im Kindergarten unsere Erfahrung