Das Leben ist bunt! Das zeigt euch heute die neue Folge der Serie „Regenbogenfamilien erzählen“. Diese zwei Väter aus Frankfurt geben uns heute Einblick in ihr Leben unter dem Regenbogen. Vielen Dank euch beiden für eure offenen Worte! Und euch allen natürlich viel Spaß beim Lesen.

Ich bin Kevin, Schauspieler und seit Nov 16 (Papa) Blogger. Mein Mann und ich haben seit September 2015 einen mittlerweile 5 Jahre alten (Pflege-)Sohn. Ich nehme Euch mit in unser Leben. Zwei Männer mit Kind? Wie ist das? Was macht uns aus? Sind wir „anders“?

Unseren Alltag könnt ihr auf Instagram oder auf dem Blog papapi.de begleiten!

Lebt ihr in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft?

Ja!

Empfindet ihr euch dadurch der Ehe gegenüber als gleichberechtigt?

Ja und Nein. Mein gerechtigkeitssuchendes Herz sagt nein. Es wünscht sich, dass es einfach KEINE Unterschiede gibt. Aber mein vernünftiges und romantisches Herz sagt ja. Denn wir hatten eine Traumhochzeit und eigentlich ist alles gut. Was auf dem Papier steht, oder eben nicht steht, ist doch schnuppe.

Wenn nicht: was würdet ihr daran ändern wollen?

Das Adoptionsrecht und den Namen „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ würde ich ändern. Wir Leben in einer Ehe. Punkt. Da gibt es einfach keinen Unterschied. Und dass homosexuelle Paare nicht gemeinsam adoptieren dürfen ist absolutes Mittelalter. Aber da Adoption nicht mal bei heterosexuellen Paaren große Sicht auf Erfolg hat (was an wenig vorhandenen Adoptions-Babys/Kindern liegt), ist auch das eigentlich egal.

Papa Papa Kind Regenbogenfamilie

Wie habt ihr euch entschieden wie euer Kinderwunsch in Erfüllung geht?

Als Mann und Mann gab es da wenig Möglichkeiten. Sei denn jemand sagt mir was wir jahrelang im Bett „falsch“ gemacht haben. Nein ganz im Ernst. Leihmutterschaft ist in Deutschland, zurecht (wie ich finde) nicht erlaubt. Und wäre für uns moralisch nicht in Frage gekommen. Und im Ausland zu teuer. Adoption kam wie oben gesagt auch nicht in Frage. Also haben wir uns mit dem fremden und diffusen Thema „Pflegeelternschaft“ auseinander gesetzt.

Wie nennt euch euer Kind?

Mein Mann ist Papa, ich bin Papi. Wenn wir beide da sind bindet er es auch manchmal. So ist auch der Name zu meinem Blog entstanden: papapi.

Habt ihr euer Kind aufgeklärt? Wie hat es es aufgenommen?

Da Timmy mit 3 ins Heim kam, somit seine Mutter kennt und sie vermisst, ist das natürlich bei uns Thema. Und die Kinder merken und sehen ja auch das es „anders“ ist. Kaum zu glauben das ich das schreibe, aber so ist es immer noch. Da sind wir einfach in der Bringschuld. Wir müssen uns zeigen und dürfen uns nicht verstecken. Händchenhalten, Küssen, Umarmen alles was heterosexuelle Paare auch tun. Damit es die Gesellschaft sieht. Nur so wird es „normal“ werden.

Zwei Vaeter Interview Pflegekind Regenbogenfamilie

Wie lange hat die Bewerbung zu Pflegeeltern bei euch gedauert?

Puhhh. Im April 2014 haben wir uns „beworben“. Es gab ein erstes Vorstellungsgespräch. Im November 2014 startete unser Vorbereitungsseminar. Im Juni 2015 erfuhren wir das erste Mal von Timmy. Es folgte unsere Hochzeit und Flitterwochen (das war uns sehr wichtig). Danach, im August, fingen wir mit der „Anbahnung“ an. Nach 10 Treffen, zog Timmy am 3.09.2015 bei uns ein.

Wie habt ihr den Umgang mit den Behörden empfunden?

Mühselig. Bis heute. Ich hätte 1000 Beispiele. Wir warten seit Februar 2015 (da kam Timmy in die Kita) auf einen Integrationsplatz. Den er gut gebrauchen könnte. Und ihm zusteht. Aber beim Jugendamt sind zu viele Abteilung mit involviert. Der Antrag blieb immer irgendwo hängen. Im Mai 2017 soll jetzt eine Integrationskraft, sprich eine zusätzliche Erzieherin eingestellt werden.

Sonst waren alle Beteiligten immer offen. Außerdem sind wir sehr selbstständig und haben einen wundervollen Vormund (für Timmy) welcher uns alle Freiheiten lässt.

Welche Reaktionen erfahrt ihr aus eurem Umfeld (Freunde, Familie, Kollegen)?

Lob, Anerkennung, Freude, „Gerührtheit“, Anteilnahme, großes Interesse und Mut. Eine lange Liste an positiven Reaktionen. Seit Timmy bei uns ist weiß ich, das wir im 21. Jahrhundert angekommen sind und der Großteil der Gesellschaft offen, bereit und freudig Familien jeglicher Art gegenüber ist.

Regenbogenfamilie zwei Vaeter gleichgeschlechtliche Ehe

Nicht alle gehen gleich gut damit um. Was haben eigentlich die Menschen für ein Problem, die Vorbehalte haben?

Kann ich tatsächlich aus oben genannten Gründen nur erahnen.

Es ist „fremd“. Noch gibt es kaum bis keine Berührungspunkte. Ich erlebe, dass die Menschen so viele Fragen haben. Sie sind interessiert.

Deswegen auch mein Blog.

Ich bin kein Geheimniskrämer. Ich erzähle.

Die Menschen sind offen, herzlich und wollen uns „erfahren“ und sich dem Unbekannten öffnen. Viele empfinden den Kontakt mit uns als absolute Bereicherung. Für sich. Aber vor allem auch für Ihre Kinder. Damit diese eben offen und tolerant groß werden. Nur sie bekommen die Chance von homosexuellen Paaren noch zu wenig.

Gibt es Situationen, in denen ihr euch als Regenbogenfamilie diskriminiert fühlt?

Nein.

Spielt Religion für euch eine Rolle? Wie lebt ihr eure Religiosität aus?

Wir sind beide mit christlichen Werten groß geworden. Und ja wir beide glauben. Ob man es Gott nennt oder Mutter Natur ist völlig egal. Und ja wir wollen Timmy mit Religion groß werden lassen. Kindergottesdienst ist bei uns noch zu früh. Timmy hat so viele Termine in der Woche, weil er Nachholbedarf hat (Ergotherapie, Logopädie, Frühförderstelle). Das Wochenende ist zum Durchatmen. Aber Gott, Himmel, Christkind also Jesus, sind schon Thema bei uns. Als nächstes kommt Ostern. Das wollen wir Timmy schon auch ehrlich näher bringen. Klar gibt es den Osterhasen. Aber WARUM feiern wir Ostern?

Also ja, Religion spielt ein Rolle.

Was wünscht ihr euch für eure Zukunft als Regenbogenfamilie?

Ich persönlich wünsche mir einen Bruder für Timmy.

Sonst ist alles auf einem guten Weg.

Für uns alle wünsche ich mir mehr Mut und weniger „Verstecken“

Die Gesellschaft ist bereit für uns. Zeigt Euch.

Zwei Väter erzählen - wie ist das Leben als Regenbogenfamilie?

Vielen Dank lieber Kevin, lieber René, dass ihr mitgemacht habt!

Wollt ihr auch mitmachen?

Ich freue mich immer über neue Familien (auch solche in spe), die mitmachen möchten. Und ein offenes Ohr für eure Fragen habe ich auch noch – falls ihr schon immer etwas über das Thema wissen wolltet, her damit!
Hier könnt ihr mich kontaktieren – ich freue mich von euch zu hören.