Kilometerweite Spaziergänge am weißen Strand. Ausgiebiges Toben am Spielplatz. Zur Abkühlung ein Sprung in den Pool. Kartenspiele und Wein am Abend.

1700km trennten uns von unserem Himmel auf Erden: der französischen Atlantikküste.
Der Ort, für den wir die Tage zählen, bis wir ihn endlich wieder besuchen dürfen. Der Ort, der uns zur Ruhe kommen lässt. Der Ort, an dem wir die Arbeit ganz weit weg von uns wissen. Der Ort, der uns unser Familienleben wie in einem Kokon leben lässt. Gemeinsam. Intensiv. Unvergesslich.

Bei aller Schönheit ist es aber auch der Ort, an dem man von der Außenwelt abgeschnitten ist. Der Ort, an den das Internet nicht hinkommt. Eine ganze Zeit lang war es für mich auch genau der Grund dafür, warum dieser Ort so schön ist.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht schon lange vor der Abreise große Pläne geschmiedet hätte. Wie ich all der Schönheit noch ein i-Tüpfelchen drauf setzen könnte. Nämlich indem ich mir zwischendurch etwas Zeit nehmen kann um meine Leidenschaft auszuleben: das Bloggen.

Ich habe mir ausgemalt wie ich, während der Bube seinen Mittagsschlaf macht, wahnwitzige Videos drehe und sie vertone. Wie ich die interessantesten Blogposts schreibe, die die Welt je gelesen hat. Wie ich euch auf Instagram mit in diese traumhafte Anlage nehme, damit ihr das Gefühl habt, ihr seid mit mir hier. Wie ich auf Facebook ein 360-Grad-Live-Video veröffentliche, damit ihr diese einmalige Landschaft bestaunen könnt.

Doch zwischen mir und meinen Plänen stand die Telekom und ein lächerliches 3GB Datenvolumen, das ich monatlich zur Verfügung habe. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber 3GB haue ich locker an 1,5 Tagen weg. Ein Problem? Ja. Aber doch nicht für mich! Denn ich dachte, DIE Lösung gefunden zu haben. Ich habe zu Hause einen mobilen Router gekauft und hier in Frankreich eine 100GB-SIMKarte. Ich wollte schon beim Discovery Channel nachfragen, ob sie mich wegen meiner brillanten Idee nicht interviewen möchten. Wer weiß, womöglich würde ich einen Nobel-Preis dafür bekommen.

Ich packte den Router aus. Filmte mich dabei, damit auch ihr Zeuge dieses Wunders werden konntet. Die Verbindung stand.
DIE VERBINDUNG STAND! In Gedanken spürte ich schon das Schulterklopfen meiner internetaffinen Freunde, für die ein unvergessliches Urlaubserlebnis genauso wie für mich jetzt noch unvergesslicher werden würde. Hammer!

Ich brauche jetzt wahrscheinlich nicht mehr zu erwähnen, dass die 45 Minuten, die ich dann auf den Download eines einzigen MP3s gewartet habe, die ernüchterndsten meines Lebens waren. Immerhin hat es dafür gereicht, dass ich bei dem Post, den ich schon zu Hause vorbereitet hatte, auf Veröffentlichen klicken konnte.

Stellt euch mal vor, es ist Sommer und keiner geht hin.

Fakt ist: ich bin schlecht gelaunt. Die ersten Tage unseres Urlaubes schien die Sonne. Das konnten wir von unserem Ferienhaus aus gut beobachten, weil es dem Buben überhaupt nicht gut ging und wir es nicht verlassen konnten. Was anschließend passiert ist, kann ich gar nicht so genau sagen – denn dann lag ich fast 3 Tage lang nur im Bett, mit einer Grippe die mich aus den Latschen hat kippen lassen. Einen weiteren Tag habe ich dank mangelnder Französischkenntnisse in einer Notaufnahme verbracht und leider sieht es so aus als müsste ich da bald wieder hin – ich höre seit über einer Woche nur noch mit einem Ohr. Gestern waren wir das erste Mal seit unserer Ankunft vor anderthalb Wochen am Strand. Wir alle haben es ohne Ende genossen. Und trotzdem blieb das Gefühl: hätte ich jetzt bloß Internet.

Verrückt, mag manch einer von euch sagen. Oder alle. Ja, mag sein. Aber viele von euch werden etwas haben, worauf ihr euch freut; etwas, wofür ihr brennt. Vielleicht könnt ihr das Frühstück nicht wie sonst genießen, weil ihr eure tägliche Joggingrunde vermisst. Oder ihr findet es schade, so spät ins Bett zu kommen und nicht mehr das spannende Kapitel aus dem neuen Buch als Tagesabschluss lesen zu können. Auf ein tägliches Ritual verzichten zu müssen, kann manchmal einfach zermürbend sein.
Und bei mir ist das das Bloggen. Wenn ich nicht regelmäßig schreiben und mich kreativ austoben kann, fehlt mir etwas.

Vielleicht erinnert ihr euch: ich habe gekündigt. All in.
Die Liebe zum Internet hat mich zu meinem alten Job geführt – für ihn hatte ich mich damals aus purer Leidenschaft entschieden. Wie wir alle wissen: Alte Liebe rostet nicht – darum lasse ich mich von ebendieser Liebe auch weiterhin über meine neuen beruflichen Pfade führen. Die Liebe zum Bloggen soll mich die kommenden Jahre beruflich begleiten dürfen. Und diese Liebe ist manchmal so stark, dass sie mich ganz vergessen lässt, dass es Arbeit ist.

Während ich diese letzten Zeilen schreibe, blinkt die kleine Leuchte auf dem Babyfon. Meine Frau geht hin und ich komme nach. Klaue eine Nase und laufe zurück, weil ich unbedingt „nur noch diesen einen Gedanken zu Ende schreiben möchte“. Wie so viele andere Male zuvor. Zu viele.
Darum bringe ich jetzt die Nase zurück. Und anschließend werde ich mich darüber freuen, an dem Ort sein zu dürfen, an dem wir die Arbeit ganz weit weg von uns wissen und unser Familienleben wie in einem Kokon leben können. Gemeinsam. Intensiv. Unvergesslich. Und in Gedanken habe ich euch dabei 😉