Bisher war ich niemand, der sich aus diesem technischen Schnickschnack, vor allem aus dem iPhone, etwas gemacht hat. Bei meinen Handys war stets vor allem eines wichtig: die Sprachqualität. Als vor einigen Jahren mein Vertrag ausgelaufen ist, war es wirklich nicht leicht, das ideale Gerät zu finden. Denn abgesehen von der Tatsache, dass ich mich bei jeder Art von Entscheidung nicht leicht tue, höre ich zu allem Überfluss auch noch schlecht. Dies führte zu einer wochenlangen Suche: Das Handy durfte weder zu groß noch zu klein sein, weder zu leicht noch zu schwer, die Tasten nicht in der Tasche von alleine gedrückt werden können aber trotzdem noch gut erreichbar. Musik sollte das Ding spielen und Fotos machen wäre auch gut. Wenn es zudem noch farblich neutral wäre, so dass es zu allen möglichen Sachen gut aussieht, um so besser. Ach ja, und die superwichtige Sprachqualität. Die kann man aber nur dann beurteilen, wenn man das Handy auch kauft. Also kaufte ich 3 Handys und brachte sie alle enttäuscht zurück, bis ich endlich mein kleines, handliches, günstiges, hübsches Sony Ericsson gefunden habe.
Mit dem Handy habe ich bisher noch keine Probleme gehabt, alle meine Bedürfnisse waren befriedigt.

Diese modernen iPhones kenne ich aber von meinen Arbeitskollegen. Klobige, kratzempfindliche, schwere Dinger, die man nicht gut mit einer Hand bedienen kann und jede Diskussion im Keim ersticken, weil wiedergegebenes Halbwissen sofort widerlegt wird. Um die man immer Angst haben muss, sie zu verlegen, zu verlieren, fallen zu lassen oder irgendwo zu vergessen. Also in allen Punkten komplett ungeeignet für mich.

Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Wie alles, was ich toll finde, fand ich es plötzlich doch ganz toll. Wahrscheinlich ist Twitter schuld. Denn auch Twitter fand ich plötzlich ganz toll, aber wenn ich ein Bild von unterwegs posten wollte, musste ich erst wieder nach Hause kommen, auf dem Handy Bluetooth anmachen, auf dem Computer Bluetooth anmachen, beide Geräte sich finden lassen, den Code auf dem Handy eingeben, den Code auf dem Computer eingeben, auf dem Handy die Datei verschicken, auf dem Computer den Empfang zulassen, speichern, Twitter aufmachen, Foto suchen, nochmal vergewissern, dass es ja das richtige Foto ist und dann verschicken. Geht wahrscheinlich schneller, wenn man nicht twittert, aber tja.

Also habe ich alle meine Kollegen genervt, dass ich auch ein iPhone haben will, unbedingt und jetzt. Und sie mit Fragen gelöchert. Und das iPhone haben wollen, haben wollen, haben wollen. Und endlich darf ich mich seit einigen Wochen stolze Besitzerin eines iPhones nennen.

Ausgerechnet ich, die ich immer kopfschüttelnd den Apple-Hype mitbekommen habe, stand am 24.06. pünktlich vor dem Apple Store und habe auf das vermeintlich fehlende Stück zu meinem Glück gewartet. Zweieinhalb Stunden lang. Mit ca. 10 sog. Fanboys und -Girls. Die nun wahrlich nicht so ausgesehen haben, wie ich sie mir vorgestellt habe: cool, lässig, glücklich, schlau, modern, interessant und allwissend. Also wie ich eben :)

Irgendwann war ich aber endlich an der Reihe. Und nichts konnte meine Vorfreude trüben. Nicht die lange Wartezeit. Nicht die Tatsache, dass ich meine alte Nummer nun wechseln musste, da ich es verbaselt hatte, meinen Vertrag zu kündigen. Und schon gar nicht die Tatsache, dass ich das neue iPhone nicht mit meinem MacBook synchronisieren kann, da ich als wahrscheinlich einer von 3 Menschen auf dieser Welt noch 10.4 benutze. Auch nicht, dass ich nicht selber die Verpackung aufmachen konnte, sondern die Verkäuferin, um irgendetwas einzustellen und mein Telefonbuch zu übertragen. Und dass ich dadurch nicht die Verpackung in die Höhe heben konnte – mit dazugedachten Engelstrompeten und Lichtstrahlen hinter mir. Oder dass selbst das 5. Kabel, das die Verkäuferin ausprobiert hat keine einzige Telefonnummer übertragen hat. Ach was rede ich da – mich hat es auch überhaupt nicht gestört, dass ich ein paar Stunden später für 3 Wochen im Ausland sein würde und somit weder Twitter noch sonst irgendwas tolles damit machen konnte.

Hätte ich gewusst, wie unglaublich schwer es mir fallen würde, Koffer zu packen anstatt mit dem Ding zu spielen, hätte ich es gar nicht erst gekauft. Und hätte ich daran gedacht, dass es mir im Auto immer schlecht wird, wenn ich lese oder woanders hingucke außer geradeaus nach vorne, dann hätte ich das Ding gleich in den Kofferraum verfrachtet.

Nun, der Urlaub war toll, es gab mitten im Wald Internetkarten, die ich natürlich gekauft habe, und ich konnte mich tagsüber sogar von meinem lieb gewonnenen Gerät trennen. Ich habe mich mittlerweile an Größe und Gewicht gewöhnt, innerhalb von vier Wochen ist es mir nur einmal runtergefallen und nicht kaputt gegangen (Danke, lieber Gott, dass ich noch nie hinter der Waschmaschine staubgesaugt habe), und die Zeit, alle Telefonnummern per Hand einzutragen, habe ich auch gehabt.

Nichts desto trotz gibt es einige Punkte, über die ich etwas unglücklich bin:

  • Geburtstage eintragen
    kann man nur, wenn man die Person unter Kontakte gespeichert hat. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich es noch nicht mit meinem Mac synchronisieren konnte. Oder?
  • Im Kalender zu einem Tag springen
    Ich gucke immer wieder gerne, wann meine Geburtstage auf ein Wochenende fallen. Und ich meine mich daran zu erinnern, dass das bei allen meinen runden Geburtstag bis ich 45 werde der Fall ist. Oder war es 55? Leider vergesse ich es immer wieder. Und deswegen gucke ich immer wieder gerne. Muss ich dafür ernsthaft durch die Monate blättern? Oder habe ich was übersehen?
  • Überhaupt der Kalender
    Ich habe bisher immer einen analogen Terminkalender benutzt. Dieses Jahr habe ich mir sogar einen selbst gemacht, weil ich keinen fand, so wie ich ihn haben wollte: A5, quer, 7 Wochentage links, eine Blankoseite rechts. Ja, ich habe jeden einzelnen Tag gestempelt, jeden Trennstrich selber gezogen. Und nun soll ich mich von ihm trennen können? Würde ich sogar machen, wenn es nur das wäre. Aber man macht ja schon häufiger mal Termine am Telefon. Und was ist dann? Ich habe heute meine Arbeitskollegen gefragt – und sie machen es tatsächlich so: Kurz auf Lautsprecher stellen, gucken ob der Termin frei ist, eintragen, weiter telefonieren. Stelle ich mir im echten Leben ungefähr so vor: Man versucht, einen Termin beim Arzt, am besten sowas wie Frauenarzt zu bekommen;  „Ja, hallo, ich hier, ich hätte gerne einen Termin bei Dr. Sowieso“ und stellt den Lautsprecher an. „Könnten Sie denn am soundsovielten um soundsoviel Uhr?“ „Ja, das passt super!“ „Wieder wegen des juckenden Ausflusses?“
    Nein. Auf gar keinen Fall.
  • Entführungsproblem
    Und ein letzter Punkt, der mir tatsächlich große Sorgen macht. Was passiert, wenn man überfallen, die Hände hinter dem Rücken zugebunden bekommt, in einen Kofferraum gesteckt und entführt wird? Sollte man ein normales Handy in der hinteren Hosentasche haben, wird man sich schon an die Tastatur gewöhnt haben und den Notruf blind anrufen können. Und mit dem iPhone? Rausfischen, womöglich noch aus einer Handysocke rausnehmen (man will das teure Ding ja nicht zerkratzen lassen), entsperren, vielleicht noch einen Pincode eingeben (bei so vielen empfindlichen Daten sollte man das einstellen, habe ich mir sagen lassen), den Button für das Telefon treffen, dann den Button für den Ziffernblock treffen und dann auch noch den Notruf eingeben. Und wählen.
    Ein Glück, dass ich fast nur Kleider trage und mein Handy bei einer Entführung eh in einer viel zu großen Tasche verweilen würde. Ich würde den iPhone-Kauf also auch in dieser verzwickten Situation nicht bereuen.

Fazit

Ich gebe mein iPhone niemals her. Wie sagte eine Freundin so schön: „Oh, das neue iPhone? Darf ich rumspielen?“ … „Das hole ich mir auch, es glizert so schön.“