Regenbogenfamilien und Kinder. Ich möchte euch was sagen: einfach ist dieses Thema nicht. Es fängt schon beim Kinderwunsch an: wie soll man es anstellen? Wie KANN man es anstellen? Von privaten Spendern über künstliche Befruchtung bis hin zur Stiefkindadoption (z.B. wenn Kinder mit in die Ehe gebracht werden) gibt es viele Möglichkeiten, wie man ihn erfüllen kann. Nur einen gibt es nicht: den im Volksmund als „normal“ bezeichneten Weg.
Das bedeutet, dass der Kinderwunsch in Regenbogenfamilien in den seltensten Fällen „zufällig“ oder „aus Versehen“ realisiert werden kann. Meistens bedeutet es, dass man sich über einen langen Zeitraum mit dem Thema auseinandersetzt, sich Möglichkeiten überlegt, Beratungsstellen aufsucht, potenzielle Spender kennenlernt, sich über die rechtliche Lage informiert und einen enormen logistischen und finanziellen Aufwand auf sich nimmt um den Kinderwunsch zu erfüllen.

Viele, viele Hürden, die man überwinden muss. Und manchmal wartet die größte von ihnen am Ende des Weges. Nämlich die Frage

Kann ich als Co-Mutter dieses Kind lieben?

Regenbogenfamilie Comutter Lesbische Mutter

Ein Kind, welches genetisch nichts mit mir zu tun hat. Ein Kind, welches ich nicht geboren habe, welches ich nicht stille, für das ich nicht sorge indem ich zu Hause bei ihm bleibe. Ist das Verhältnis nicht ein anderes als das zu leiblichen Kindern?

So seltsam sich diese Fragen vielleicht anhören mögen: nicht nur Regenbogenfamilien dürften sie bekannt vorkommen. Es gibt viele(!) Eltern, die genau vor den gleichen Sorgen gestanden haben – ganz egal ob sie sich in einer hetero- oder homosexuellen Partnerschaft befinden. Wie man damit umgeht ist dann ganz unterschiedlich – manche grübeln kurz und schmunzeln darüber, manch andere geben ihnen keinen Raum und wiederum andere sind davon wie gelähmt.

Für jemanden, der sich mit solchen Ängsten trägt, sind diese real und präsent – und verdienen es angesprochen und diskutiert zu werden, ohne dass er oder sie dafür verurteilt wird. Für viele Regenbogenfamilien mögen diese Sorgen keine Rolle gespielt haben. Vielleicht erscheinen sie einem gar fremd und sind nicht nachzuvollziehen. Und trotzdem: diese Sorgen existieren und haben eine Daseinsberechtigung.

Zu dem Thema kann ich nur meine persönliche Erfahrung teilen. Bei uns war der Kinderwunsch jahrelang ständiger Begleiter. Die herausfordernde Planungszeit hat uns noch mehr verbunden, die Rückschläge und negativen Wendungen haben uns als (da noch kinderlose) Familie noch mehr zusammenwachsen lassen. An der Schwangerschaft hat meine Frau aktiv teilgenommen und die Bindung zu dem kleinen Wurm wurde immer stärker. Für uns hat sich die Frage nie gestellt – weder für mich als leibliche noch für meine Frau als Co-Mutter.

Im Freundes- und Bekanntenkreis ist die Frage, ob man als Co-Mutter das Kind lieben kann hin und wieder Thema. In den unterschiedlichsten Familienkonstellationen sind die damit verbundenen Sorgen mal mehr oder mal weniger ausgeprägt – werden aber immer mit viel Leidenschaft diskutiert.

Eine Antwort darauf wird niemand geben können. Meistens sind die Sorgen spätestens mit der Geburt verpufft ? Und trotzdem ist es für mich wichtig, dass man weiß, dass man mit diesem Thema nicht alleine ist und sich niemals für diese Fragen schämen sollte.

Mich würde es wirklich interessieren wie es euch ergangen ist – ganz unabhängig davon, ob ihr in einer Regenbogenfamilie lebt oder nicht. Was für Sorgen habt oder hattet ihr? Ich freue mich von euch zu hören!

Wer übrigens mehr über das Leben als Regenbogenfamilie erfahren möchte: unter Regenbogenfamilien erzählen findet ihr Interviews :)