Meine Lieben, das Warten hat sich gelohnt – es ist wieder soweit! Der dritte Beitrag meiner Reihe „Regenbogenfamilien erzählen“ ist online.
Ich freue mich ganz besonders: die lieben Clara und Jule möchten eine Regenbogenfamilie werden und teilen mit uns die Gedanken, die sie zu diesem Thema haben. Vielen Dank für eure offenen Worte! Und euch allen viel Spaß beim Lesen.

Clara und Jule – beide 24 – zusammen seit zwischen 4 und mehr Jahren, leben und arbeiten im Südosten von Niedersachsen. Nachdem sie lange Zeit nicht so richtig wahrhaben wollten, was da zwischen ihnen passiert, gehen sie seit Anfang 2015 mit anderen und vor allem sich selbst offen mit ihrer Liebe um.
Clara bloggt außerdem auf wundersachen.blogspot.de, fotografiert die besonderen Momente auf instagram.com/wundersachen und zwitschert mal mehr und mal weniger auf twitter.com/wundersachen – Ein paar Fragen haben sie im folgenden Interview beantwortet.

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Lebt ihr in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft?
Nein, bisher nicht. Haben wir aber vor. Ehrlich gesagt, kann besonders ich (Clara) das kaum abwarten, ich habe so Lust die Feier zu planen, denn allgemein wird sich wohl dadurch nicht viel ändern, außer, dass es so richtig offiziell ist.

Empfindet ihr euch dadurch der Ehe gegenüber als gleichberechtigt?
Wir glauben, dass in vielen Punkten schon sehr viel im Punkt der Gleichstellung passiert ist, es da aber auf jeden Fall noch mehr Dinge gibt, die passieren sollten, wie zum Beispiel die Gleichstellung im Adoptionsrecht. Das, was uns außerdem immer mal wieder Gedanken macht, ist die fehlende Verankerung der eingetragenen Lebenspartnerschaft im Grungesetz. Wie sagt man immer so schön? So schnell wie so etwas beschlossen ist, kann es auch ohne diese gesetzliche Etablierung genau so schnell wieder verschwinden. Das wäre natürlich der schlimmste Fall, aber natürlich schnappt man immer wieder solche Gedanken auf. Ein weiterer Punkt, wo man es wahrscheinlich merkt ist, dass ich, wenn ich zum Beispiel irgendeinen Antrag irgendwo ausfülle und ich angeben muss, dass ich in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebe und damit meine Sexualität preisgeben soll. Es ist nicht (mehr) so, dass ich daraus groß ein Geheimnis mache, aber Gleichberechtigung stelle ich mir dahingehend doch noch anders vor.

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Wenn nicht: was würdet ihr daran ändern wollen?
Ich glaube das liest man aus dem oberen ganz gut raus. Wir wünschen uns irgendwann die komplette Gleichstellung mit der Ehe, einfach auch aus dem Grund, weil es für uns genau das ist: Das Versprechen für einen anderen Menschen Verantwortung zu übernehmen und auch ganz offen zusammenzugehören mit allen Rechten und auch Pflichten.

Wie ist euer Kinderwunsch in Erfüllung gegangen?
Das geht er hoffentlich noch! Wir haben noch nicht mit der aktiven Kinderplanung begonnen, sind aber an vielen Abwägungen und Überlegung was Möglichkeiten und Zeitpunkt angeht. Es gibt Tage, da bin ich super unglücklich darüber, dass alles „so schwer“ sein muss und andere Tage, an denen ich einfach dankbar dafür bin, dass es heute viele Möglichkeiten gibt, um auch als gleichgeschlechtliches Paar, natürlich haben es Frauen da echt einfacher, Kinder zu bekommen. Alles in allem bin ich super aufgeregt auf alles, das kommt, gerade, wo die Gedanken und Gespräche immer konkreter werden.

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Wie macht ihr das mit dem Erzeuger?
Auch wenn man natürlich anfangs mal darüber sinniert, ob nicht der oder der gute Freund nicht vielleicht gut für diese Rolle wäre, stand für uns eigentlich von Anfang an fest, dass wir uns keinen „aktiven Vater“ wünschen. Das können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen und es würde es wahrscheinlich eher verkomplizieren und deshalb wünschen wir uns jemanden, den unser Kind, wenn es alt genug dafür ist, kennenlernen kann. Dadurch, dass wir relativ wenig Bekanntschaften haben, die sich in ähnlicher Situation befunden und uns davon berichten können, welchen Weg sie und warum sie ihn so gewählt haben, sind wir dankbar für jeden Austausch, den wir uns in der letzten Zeit so aufgebaut haben.

Habt ihr vor eure Kinder aufzuklären?
Wir haben vor aus der „besonderen Entstehungsgeschichte“ keinerlei Geheimnis zu machen und unserem Kind da offen gegenüberzustehen und zu erklären, dass wir einen „Helfer“ hatten, der uns geholfen hat, dass wir sie oder ihn bei uns haben können. Wir glauben, wenn man da von Anfang an offen mit umgeht, fährt man damit am besten.

Welche Reaktionen erfahrt ihr aus eurem Umfeld (Freunde, Familie, Kollegen)?
Das vergangene Jahr hat mir so viel positives beschert, was ich niemals im Leben erwartet hätte. Nachdem wir Anfang 2015 nach ein paar Jahren von Geheimnistuerei (Hilfe, wie haben wir das nur gemacht damals?) – allen Freundinnen und Freunden sowie Familienmitgliedern so ziemlich auf einen Schlag von uns erzählt haben, war es den meisten sowieso glasklar. Andere wiederum waren überrascht und das durchaus positiv. Nachdem wir also Anfang des letzten Jahres sehr viel mit uns selbst beschäftigt waren, haben wir nichts, weshalb wir von unserem Umfeld schlechte Reaktionen erhalten haben und ich denke auch nicht werden. Zurückblickend bin ich heute einfach nur dankbar, wie alles gekommen ist, nachdem ich jahrelang dachte, dass das alles so, wie es heute ist und eigentlich immer besser wird, nie werden kann.

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Bilder: Clara & Jule – Danke Mädels! ❤

Wollt ihr auch mitmachen?

Ich freue mich immer über neue Paare, die mitmachen möchten. Und ein offenes Ohr für eure Fragen habe ich auch noch ? Falls ihr schon immer etwas über das Thema wissen wolltet, her damit ?
Hier könnt ihr mich kontaktieren – ich freue mich von euch zu hören.