Du, ich glaube das hat einfach keinen Sinn mehr.

Da war er. Der Satz, der schon seit langer, langer Zeit in meinem Kopf herumgeisterte. Endlich fand er den Weg aus mir heraus – ich habe soeben eine langjährige Freundschaft beendet.

Freunde kommen und gehen

Natürlich ist es nichts, was zum ersten Mal passiert. Freunde kommen und gehen eben.
Manche verabschieden sich wortlos – die gemeinsamen Momente werden immer seltener und leiser. Die Wege, die man früher gerne zusammen gegangen ist, geht man immer häufiger alleine – oder eben gar nicht.
Manche Abschiede wiederum bleiben in lebhafter, schmerzlicher Erinnerung, vor allem wenn die Abschiedsworte laut und verletzend sind und das Gesagte unvergesslich bleibt.

Dieses Gefühl aber, sich ganz bewusst gegen eine Freundschaft zu entscheiden, das war mir komplett neu. Und wenn ich wirklich ehrlich sein soll: es ist ein verdammt gutes Gefühl.

Wenn aus Freunden Fremde werden

Jeder entwickelt sich weiter – nur meine Freundin und ich, wir entwickelten uns immer weiter voneinander weg. Die gemeinsamen Interessen wurden immer weniger, die Gesprächsthemen immer unspannender, die Gesprächspausen dafür umso länger. Und so folgte eine geplatzte Verabredung der nächsten, egal wie wichtig sie war – der Streit war vorhersehbar. Und laut. Und verletzend. Und unvergesslich. Dennoch haben wir versucht, unsere Freundschaft zu retten. Einige Gespräche und Treffen später war er da – der Satz der schon seit so langer Zeit in meinem Kopf herumgeisterte.

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Über Freundschaften, die nicht mehr gut tun

Damit war der Knoten geplatzt und ich habe ordentlich im Freundeskreis aufgeräumt.
Eine Freundin, die immer zur Stelle ist, wenn sie selbst Hilfe braucht, aber seit über anderthalb Jahren keinen freien Termin findet um meinen Sohn kennenzulernen? Freut mich, dass es ihr gut zu gehen scheint, aber ich glaube, das hat keinen Sinn mehr.
Ein Freund, mit dem nur über die Geschichten von damals gelacht werden kann und bei dem man nach dem Treffen mit dem Gefühl nach Hause geht, wir sind einfach nicht auf der selben Wellenlänge und eigentlich schade um die Zeit? Schön ihn nach so vielen Monaten wiedergesehen zu haben, aber ich glaube, das hat keinen Sinn mehr.
Eine Freundin, bei der man merkt, dass man eher keine Lust auf ein Treffen hat weil die Gespräche die Oberfläche nie verlassen und man sich nur deswegen verabredet, weil man sonst ein schlechtes Gewissen hat? Ihr ahnt es wahrscheinlich: das hat keinen Sinn mehr.

Mit allen diesen Freunden teile ich eine unglaublich schöne, unvergessliche Vergangenheit, die uns ohne Zweifel verbindet. Doch wenn man immer weit zurückschauen muss um schöne Erlebnisse zu entdecken, die vielleicht schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, dann fühlt es sich einfach nicht richtig an.

Die Zeit in der Gegenwart ist zu kostbar

Ich möchte nicht nach hinten blicken müssen, um eine schöne Zeit mit Freunden verbringen zu können. Es fühlt sich toll an, gemeinsam in die Vergangenheit blicken zu können – wenn man dabei das Schöne genießt, was man gerade miteinander teilt.

Ich möchte nicht nach einer Verabredung erleichtert nach Hause gehen, weil ich endlich einen To-Do Punkt abhaken konnte. Wisst ihr was ich meine? Man organisiert und plant und nach dem Treffen bleibt nur ein schales Gefühl, dass der Aufwand sich eigentlich nicht lohnt? Nein, das hat so keinen Sinn. Und so habe ich die Freunde ausgesiebt, die mir nicht mehr gut tun, die mich mehr Zeit und Energie kosten, als die Freude die sie zurückgeben.

In den letzten zwei Jahren hat sich mein Leben unglaublich verändert. Ein Kind zu haben ist ein ganz anderer Schnack als davor das Leben mit Hund – auch wenn ein Kind eigentlich kein Kind ist. Durch Kinder wird die Zeit greifbar: der erste Zahn, der erste Schritt, das erste Wort. Ich möchte am liebsten jede Sekunde aufsaugen und keine davon verpassen. Dafür vergeht die Zeit aber gefühlt Lichtjahre schneller als vorher. Und ich gebe es gerne zu: ich bin unfassbar egoistisch geworden, was meine Zeit angeht.

Das Blöde bei der Zeit ist aber: man weiß nie, wie viel man davon noch hat. Dabei ist sie doch das kostbarste Gut, das man hat! Und davon möchte ich so wenig wie möglich verschwenden. Ganz im Gegenteil: ich möchte sie denjenigen schenken, die mir am wichtigsten sind und die sie zu schätzen wissen. Alles andere macht für mich einfach keinen Sinn mehr.