Unglaublich! Es sind schon wieder fast 30 Tage vergangen, seitdem ich den Mai begrüßt habe. In dem Artikel ging es darum, was wir im neuen Monat vorhaben und wie schön das Ganze werden sollte.
Ich hatten alle Tage vor Augen und mich auf jeden einzelnen von ihnen gefreut. Und all die Dinge gemacht, die für solche getakteten Tagen nicht ausbleiben: viel telefoniert, uns verabredet, mit Terminen jongliert, die unterschiedlichen Möglichkeiten hin- und her überlegt. Kurz: das gemacht, was ich immer zum Monatsanfang mache. Ich habe Pläne geschmiedet.

Und dann kam uns etwas dazwischen, was ich zwar weiß, dass es mir IMMER dazwischen kommt, aber NIE darüber nachdenke, wenn ich gerade dabei bin meine Pläne zu machen: das Leben.
Mir wurde abgesagt und ich habe abgesagt. Manche Dinge wurden nicht pünktlich fertig, mit anderen habe ich gar nicht erst angefangen. Heute war die Nacht mal wieder zu kurz, gestern wiederum der Tag zu lang. Ärgerlich hier, ärgerlich dort. Ich war frustriert. Auf meine Familie übertragen bedeutete das, dass gefühlt überall Streitpotenzial lauerte – viel häufiger als ich es gewohnt bin und natürlich auch als es mir lieb ist.

Bin ich gescheitert?

Dabei liegt es doch an der Natur der Sache, dass Pläne nicht aufgehen. Grundsätzlich nicht und mit Kindern schon mal gar nicht. Und hier können wir täglich (manchmal sogar mehrmals täglich!) neu entscheiden, wie wir damit umgehen möchten. Reagieren wir frustriert oder sind wir eher erheitert darüber, etwas ganz anders als geplant machen zu dürfen? Wir haben es in der Hand. Und doch ist die Versuchung groß, den Plan B als (schlechte) Notlösung anzusehen.

Denn Hand aufs Herz: Erheitert darüber sein, etwas ganz anders als geplant machen zu dürfen? Mehrmals am Tag? Ähm, nein. Unvorstellbar.
Aber ich verrate euch etwas: viel mehr als dass meine Pläne nicht aufgehen nervt mich die Tatsache, dass ich einen solchen Tag frustriert hinter mich bringe. Denn genauso fühlt sich das an. Hinter mich bringen, als wäre es eine lästige Pflicht. Zufrieden sein ist anders, vom Glücklichsein brauchen wir gar nicht zu sprechen.

Warum der Plan B oftmals der bessere Plan ist - für mehr Glück im Familienleben

Wer eine Vision hat, kann vom Plan abweichen

Wir alle haben Visionen. Sie fühlen sich groß und mächtig an und helfen uns dabei, unser Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Meistens reden wir dann von Visionen, wenn es um wichtige Dinge geht: um eine neue berufliche Zukunft, um das Leben in 15 Jahren, um den Bau des Eigenheims. Visionen sind da, wenn es um das ganz große Vorhaben geht. Klingt einleuchtend.
Doch am Ende des Tages geht es darum, ein erfülltes Leben zu führen. Wenn es geht, gerne jeden Tag – wer wünscht sich das nicht? Langfristig gesehen müsste dieses Ziel uns so wichtig sein, dass wir in der Lage sind kleinere und größere Hürden aus dem Weg zu räumen.

Kann man kleine Visionen haben?

Ich erinnerte mich an meine kleine Vision. Meine eigene kleine Vision vom glücklichen Familienleben.
Aber Moment mal, habe ich klein gesagt? Habe ich soeben ein glückliches Familienleben als eine Kleinigkeit bezeichnet? Ihr seht: irgendetwas stimmt hier nicht.
Ein glückliches Familienleben zu führen IST eine Vision. Eine ziemlich große sogar. Eine die uns die Kraft schenkt, einmal mehr aufzustehen als wir hinfallen.
Diese Vision sollte man sich ab und an ins Gedächtnis rufen. Dann, wenn z.B. ein neuer Monat anfängt und wir neue Pläne schmieden. Die wir dann besser gleich mit viel Offenheit und Flexibilität angehen sollten. Pläne, die wir gerne bereit sind über Bord zu werfen um uns mit der gleichen Vorfreude in etwas Neues zu stürzen.

Damit der Plan B sich nicht wie die zweite Wahl anfühlt, sondern wie der Plan A plus.