Das Leben ist bunt! Ich freue mich mit euch: ein neuer Beitrag meiner Reihe „Regenbogenfamilien erzählen“ ist bereit, von euch gelesen und geherzt zu werden ❤
Heute geben uns die Mütter Jana & Vanessa aus dem Ruhrgebiet einen Einblick in ihr Leben unter dem Regenbogen! Vielen lieben Dank für eure offenen Worte und euch allen viel Spaß beim Lesen.

Wir, Jana (30) Sozialpädagogin und meine Frau Vanessa (29) Informatikerin, sind seit dem 14.05.2016 verpartnert und werden uns nächstes Jahr endlich den offiziellen Stempel der Ehe abholen. Gemeinsam mit unserer wunderbaren, drei jährigen Räubertochter, wohnen wir in einem kleinen Haus im Grünen. Wir lieben es zu reisen, am liebsten sind wir in der Sonne und im Wasser. Im Wald schalten wir ab und lassen den Alltag seine Kreise alleine ziehen.
Die gemeinsame Zeit am Wochenende ist uns sehr heilig. Hier wird gebacken, gekocht, gebastelt und gekuschelt.

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Gemeinsam ein Kind zu bekommen – wann ist diese Entscheidung bei euch gefallen?

Uns war beiden klar, dass wir gerne Kinder haben wollten und wollen. Die Entscheidung ist 2014 gefallen, dazu später mehr.

Ihr habt euch entschieden, ein Pflegekind in eurer Familie aufzunehmen. Was hat euch zu dieser Entscheidung bewegt?

Durch meinen Job kamen wir damit recht schnell in Berührung, denn ich arbeitete zu dieser Zeit in einer Mutter Kind Einrichtung und dort lebte ein kleiner Junge, ohne seine Mutter.

Das Jugendamt suchte vergebliche eine passende Pflegefamilie und somit kam das erste Mal stark der Gedanke bei uns auf, eine „Pflege“ Familie zu werden.

Wir haben uns also mit dem Thema Pflegefamilie beschäftigt und uns versucht einzulesen, zu recherchieren und uns zu informieren. Wir erfuhren auf diesem Weg, dass es unterschiedliche Arten von Pflegeformen gibt.

Es gibt „einfache“ Pflegefamilien, die gemeinsam mit dem zuständigen Jugendamt bzw. des Pflegekinderdienstes arbeiten und von dort aus direkt betreut werden.

Dann gibt es sogenannte Erziehungsstellen, diese werden entweder durch einen externen Träger betreut oder auch direkt über den Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes oder dem Pflegekinderdienst.
Hierfür braucht man im Regelfall eine Ausbildung zum Erzieher oder einen ähnlichen Berufsabschluss.

Und dann gibt es noch die sogenannten Fachpflegestellen, hier arbeitet man immer mit einem externen Träger zusammen, entweder ist man dort freiberuflich angestellt oder befindet sich in einem Angestellten Verhältnis.

Jedes Bundesland macht da sein eigenes Ding und auch jeder Träger hat andere Voraussetzungen oder Leistungen.
Selbst die Begriffe sind unterschiedlich, das macht es nicht gerade einfach, wenn man versucht durch dieses Labyrinth seinen eigenen Weg zu finden.

Lesbische Mutter zwei Frauen bekommen ein KindDa das Jugendamt für den kleinen Mann von meiner Arbeit damals, eine sogenannte Fachstelle gesucht hat, fragte ich nach was es denn damit auf sich hat und welche Bedingungen dafür erfüllt werden müssen.

Wir fanden schnell heraus, dass wir die Grundlegenden Erwartungen erfüllen konnten.

Zum damaligen Zeitpunkt lebten wir beide mit unserem Hund in einer Großstadt. Wir machten uns auf die Suche nach einem für uns geeigneten Träger und versuchten uns dabei zu beeilen, denn der Kleine sollte nun endlich in eine Familie ziehen dürfen. Wir haben uns ca. sechs Träger angeschaut, von manchen wurden wir direkt abgelehnt, da wir ein lesbisches Paar sind, bei anderen waren wir ihrer Meinung nach zu jung und bei wieder anderen hat die Chemie nicht gepasst.
Doch im Mai 2014 wurden wir fündig, und auf einmal ging alles ganz schnell. Mehrere Hausbesuche, Termine beim Psychologen und das Landesjugendamt kam zur Hauskontrolle. Mindestens 12 qm Kinderzimmer? In jedem Raum Rauchmelder? Löschdecke in der Küche? Feuerlöscher nach F? Ist der Garten eingezäunt? Fenster abschließbar? Steckdosensicherungen? Treppengitter? Erweiterte Führungszeugnisse! Gesundheitszeugnis!
All das konnten wir zum Glück erfüllen.

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Wir bekamen die Betriebserlaubnis und meldeten dem zuständigen Jugendamt sofort zurück, dass wir alles zusammen haben, das war im Juni 2014. An meinem Geburtstag Mitte Juni rief man uns dann an, um uns mitzuteilen, dass man sich für eine andere Familie für den Kleinen entschieden hätte. Wirklich verstehen tue ich das heute noch nicht, aber es hat ja immer alles seinen Grund.

Wir beschlossen dann, jetzt erst einmal in den Urlaub zu fliegen um uns etwas zu sammeln, zu Hause war schließlich alles für den Einzug für den zwei jährigen vorbereitet.

Es hieß von Seiten des Trägers, dass jetzt sowieso erst mal Sommerferien seien und da würde erstmal nichts passieren. Tja Fehlanzeige, denn im Juli 2014 nach dem wir einen wahnsinnig aufregenden Tag tauchend mit Haien verbracht hatten, war eine Mailbox Nachricht auf unserem Handy im Safe zu sehen. Wir sollten bitte dringend zurückrufen.
Man sagte uns, wir möchten doch bitte umgehend nach Hause kommen, denn wir würden Eltern werden.

Allerdings waren wir nicht an der Nordsee, sondern in der Karibik und unser Urlaub ging noch vier Tage.

Da das Baby aber noch nicht geboren wurde, beschlossen wir erst in vier Tagen nach Hause zu fliegen.
Wir flogen nach Hause, hatten jeden Tag Termine mit Träger, Jugendamt etc. suchten uns eine Hebamme und verfielen in einen kleinen Kaufrausch. Denn für einen Säugling hatten wir bis dato noch gar nichts zu Hause.
Die kleine Maus ließ dann doch noch weitere sieben Tage auf sich warten, bis sie das Licht der Welt und somit den ersten Schritt, in unser Herz ging.

Wir haben dir nicht das Leben geschenkt, aber in unseren Herzen ist klar
Unsere Liebe ist stark als wärst du schon immer da. Ein Traum ist wahr geworden und dieser Traum bist du. Nein wir haben dir nicht das Leben geschenkt, die geschenkten sind viel mehr wir.

Das war unsere Entscheidung zum ersten Kind.

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Wie gingen Freunde und Familie damit um, als sie von eurer Entscheidung ein Pflegekind aufzunehmen erfuhren?

Wir haben den Entschluss ein Pflegekind aufzunehmen alleine getroffen.
Als es dann endlich losging und wir auf dem Rückweg vom Flughafen waren, haben wir bei meinen Schwiegereltern gestoppt, 36 Stunden wach, völlig übermüdet und total überdreht, haben wir ihnen erzählt, dass wir mit Haien tauchen waren und übrigens… sie würden in den nächsten Tagen Großeltern werden. Sie schauten uns an, als kämen wir vom Mond. Waren dann aber mehr als begeistert.
Freunde und Geschwister waren auch sofort Feuer und Flamme und schauten, was sie uns noch an Babysachen leihen konnten.

Wurdet ihr in eurer Entscheidung unterstützt? Wie wurdet ihr auf die neue Situation vorbereitet?

Ja wir wurden von unserem Träger sehr gut unterstützt. Wir hatten Supervisionen und fanden immer ein offenes Ohr für unsere Fragen. Die Behörden machen es einem schon nicht einfach, es ist viel Bürokratie und wenn etwas der Norm abweicht, dann ist das Papier schnell nicht das richtige.

Wir dachten, dass es komplizierter ist, dass wir zu dem Zeitpunkt noch nicht verheiratet waren, aber das war eigentlich nie wirklich ein Problem. Wir hatten beide eine sogenannte Betreuerbescheinigung und konnten uns somit immer und überall erklären. Die Tatsache, dass wir für den Pass unserer Tochter z.B. nicht so einfach alle Unterlagen nachweisen konnte machte es bei Behörden schon sehr kompliziert. Wir können hier nicht weiter ins Detail gehen, aber es war nicht schön immer wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden.

Wir denken hier ist in unserem Land noch großer Aufholbedarf nötig. Es hat fast ein Jahr gedauert, bis wir das Kindergeld beantragen konnten und endlich die Kleine über uns Krankenversichert war. Das ist nicht die Regel, aber es hat Kraft gekostet. Heute wüssten wir an wen wir uns wie wenden müssten, aber damals fühlten wir uns schon oft in diesen Situationen allein gelassen.

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Was für Gedanken und Sorgen habt ihr gehabt? Welche begleiten euch heute noch?

Gedanken und Sorgen sind und werden immer die sein, dass man als Pflegeeltern zwar alle Pflichten, aber noch lange nicht alle Rechte hat, dies ist nun mal einfach so.
In unserem Gesetz steht das Recht der Leiblichen Eltern sehr hoch. Kinderrechte gibt es nicht und dank der CDU wurde auch gerade mal wieder ein neuer wichtiger Gesetzentwurf nicht geltend gemacht.

Welche sind die größten Herausforderungen in eurem Alltag? Welche die schönsten Erlebnisse?

Die größte Herausforderung ist es, sich selbst immer wieder treu zu bleiben, sich in dem Wirrwarr nicht zu verlieren und den Blick voll und ganz auf unsere Tochter zu halten. Was tut ihr gut, was braucht sie und wie kommen wir gemeinsam ans Ziel. Das schönste Erlebnis, war mit Sicherheit der Moment in dem sie in unser Leben getreten ist!
Ich denke, jedes Mama ich liebe dich, ist das schönste Erlebnis. Sie auf Pferden zu sehen, ist für mich unbeschreiblich schön.

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Ist eure Familienplanung abgeschlossen?

Auf keinen Fall. Der einzige Geburtstagswunsch von der Kleinen war, einen Bruder und eine Schwester! Die Mamas wissen Bescheid und wir hoffen sehr, dass wir ihr diesen Wunsch bald endlich erfüllen können. Die Chancen stehen sehr gut, mehr Details dazu auf @im_herzen_geboren.
Am liebsten hätten wir gerne vier Kinder!

Was für Erkenntnisse habt ihr aus euren Erfahrungen als Pflegeeltern gewonnen, welche die Entscheidung für weitere (Pflege-)Kinder beeinflussen?

Wir sagen ganz ehrlich ein weiteres Pflegekind mit ihrem oder seinem Rucksack ist schon eine große Verantwortung und gerade im Zusammenhang mit unserer Tochter muss es einfach gut überlegt werden, was passt zu uns und was können wir geben. Aber da wir genau wissen, dass die Aufnahme der Kleinen unsere aller beste Entscheidung war, sie unser größtes Glück ist und wir uns keinen Tag ohne sie vorstellen wollen, wissen wir auch, dass wir noch ein weiteres Kind aufnehmen werden. Denn es gibt einfach zu viele Kinder, die dringend auf der Suche nach einer Schwester und zwei bekloppten Mamas sind.

Habt ihr Tipps für andere Regenbogenfamilien bzw. Pflegeelternbewerber, die am Anfang der Familienplanung stehen?

Traut euch!
Aufgeben ist keine Option!
Und traut euch, aus ganzem Herzen ein Kind anzunehmen und ihm ein liebevolles Zuhause zu schenken, denn das hat jedes Kind verdient!
Ruft beim Jugendamt an und informiert euch. Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt, der Rest kommt von alleine.

Was wünscht ihr euch für eure Zukunft als Regenbogenfamilie?

Noch mehr Kinderlachen, die Ehe für alle haben wir ja jetzt endlich, jetzt noch die Stiefkindadoption, Kinderrechte im Grundgesetz …das wäre ein Anfang.

Wenn zwei Frauen sich entscheiden, ein Pflegekind aufzunehmen - Bericht einer Regenbogenfamilie im Interview

Wollt ihr auch mitmachen?

Ich freue mich immer über neue Familien (auch welche in spe), die mitmachen möchten. Und ein offenes Ohr für eure Fragen habe ich auch noch – falls ihr schon immer etwas über das Thema wissen wolltet, her damit!
Hier könnt ihr mich kontaktieren – ich freue mich von euch zu hören.