Das Leben ist bunt! Ich freue mich mit euch: ein neuer Beitrag meiner Reihe „Regenbogenfamilien erzählen“ ist bereit, von euch gelesen und geteilt zu werden ❤️
Heute geben uns die Co-Eltern Madita & Tobias aus Fulda einen Einblick in ihr Co-Parenting Leben unter dem Regenbogen! Vielen lieben Dank für eure offenen Worte und euch allen viel Spaß beim Lesen.

Wir sind Madita (34) und Tobias (32) aus Fulda. Durch die Geburt unserer Tochter im Juli 2015 wurden wir zu einer kleinen Regenbogen- oder auch Co-Parenting Familie. Warum wir als Mann und Frau von uns selbst als Regenbogenfamilie sprechen? Ganz einfach, wir sind kein Paar und hätten aufgrund unserer jeweiligen sexuellen Orientierung auch nie eins werden können. Wir leben in der gleichen Stadt, aber in getrennten Haushalten und sind durch eine langjährige Freundschaft miteinander verbunden.

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Als Co-Eltern gemeinsam ein Kind zu bekommen – wann ist diese Entscheidung bei euch gefallen?

Die Idee selbst hatten wir bereits als wir beide uns ungefähr mit 18 Jahren geoutet hatten. „Wenn wir später in unseren zukünftigen Partnerschaften mal keine Kinder haben können, dann machen wir beide halt eins!“
Mit 18 war das eher so ein Hirngespinst, aber nachdem meine letzte Partnerin und ich uns wegen meinem vorhandenen Kinderwunsch getrennt hatten, war das Ganze dann doch nicht mehr so abwegig. In meinem Liebeskummer ging ich zu ihm und sagte „Jetzt! Worauf soll ich warten?“ Und auch wenn ich tatsächlich nicht wirklich mit so einer klaren Antwort gerechnet hatte, war er von Anfang an dabei. „OK, jetzt!“

Wie gingen Freunde und Familie damit um, als ihr ihnen von eurem Kinderwunsch erzählt habt?

Meine Familie und auch mein Freundeskreis hat uns von Anfang an unterstützt. Von der Idee, ein Kind mit meinem schwulen besten Freund zu bekommen, waren sie kaum überrascht und standen uns zu jeder Zeit bei. Tobis Eltern haben wir auf seinen Wunsch hin erst einmal nicht eingeweiht. Als er ihnen gegen Mitte meiner Schwangerschaft erzählte, dass sie Großeltern werden würden, haben sie anfangs nicht einmal geglaubt. Später standen sie unserem Familienmodell eher skeptisch gegenüber, auch wenn die Vorfreunde über das Enkelchen schnell in den Vordergrund rückte.

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Was für Gedanken und Sorgen über das Co-Parenting habt ihr zu der Zeit gehabt?

Eigentlich waren wir von Beginn an sehr optimistisch. Wir haben uns mehrfach zusammengesetzt und versucht alles so genau wie möglich zu besprechen. Es war klar, dass unser Kind bei mir aufwachsen wird und er „formell“ keine Rechte haben wird. Im Gegenzug allerdings auch keine Verpflichtungen wie Unterhaltszahlungen. Trotzdem wollten wir beide, dass er nicht nur der Spender, sondern der „Papa“ wird und er eine gute und stabile Beziehung zu seinem Kind aufbauen kann.

Wie ist euer Kinderwunsch in Erfüllung gegangen?

Wir waren in einer Kinderwunschklinik in Mittelhessen. Die Ärzte kannten unsere Geschichte, haben uns aber formal als nicht zusammenlebendes Paar mit Kinderwunsch behandelt. Dadurch mussten wir die Kosten der Behandlung natürlich selbst tragen, aber das stand nie zur Diskussion. Uns wurde voher gesagt, dass wir bei einer IUI –Behandlung mit mindestens 3-5 Versuchen rechnen müssten. Umso schöner war es, als ich Tobi bereits 11 Tage nach unserer ersten IUI ein Foto von meinem positiven Schwangerschaftstest schicken konnte.

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Wie ist es, wenn es mal zwischen euch Co-Eltern  kracht?

Naja, wir haben das Glück, dass wir unsere Elternschaft unabhängig von einer tieferen Beziehungsebene führen können. Wir haben feste „Papa-Tage“ und selbst wenn es mal kracht, bleiben diese natürlich so bestehen da es höchstwahrscheinlich zu keinen tieferen emotionalen Verletzungen zwischen uns kommen wird, die sich auf solche Planungen auswirken.

Habt ihr Tipps für andere Regenbogenfamilien, die am Anfang der Familienplanung stehen?

Eigentlich nur den, dass es für jede nur mögliche, vorstellbare Konstellation eine Lösung geben kann. Wichtig ist unserer Meinung nach doch nur, dass ein Kind geliebt wird, egal ob es bei zwei Mamas, zwei Papas, den Großeltern, den Pflegeeltern oder bei nur einem Elternteil groß wird. Man sollte sich im Bezug auf den eigenen Kinderwunsch nicht von Standardmodellen verunsichern lassen.

Was wünscht ihr euch für eure Zukunft als Regenbogenfamilie?

Das weder wir noch andere Familien den Begriff „Regenbogenfamilie“ (oder in unserem Fall auch „Co-Parenting-Familie“) zur Beschreibung unserer Familien benötigen. Wir sind eine Familie! So wie die Ehe mittlerweile die Ehe ist, unabhängig davon wer sie schließt. Wenn Vielfalt endlich im Alltag aller Menschen angekommen ist, benötigt man keine Beschreibung von Besonderheiten mehr.

Co-Eltern: zusammen alleinstehend - Eine Regenbogen-Familie im Interview

Wollt ihr auch mitmachen?

Ich freue mich immer über neue Familien (auch solche in spe), die mitmachen möchten. Und ein offenes Ohr für eure Fragen habe ich auch noch – falls ihr schon immer etwas über das Thema wissen wolltet, her damit!
Hier könnt ihr mich kontaktieren – ich freue mich von euch zu hören.