Ich musste doch ein bisschen grinsen, als ich auf dem Handy die Kalenderbenachrichtigung sah. Letzte Woche hat meine Frau ganz spontan einen Termin gemacht, damit wir unsere eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln können. So weit, so unspektakulär – gefühlt fiel das eher in die Kategorie überflüssiger Behördengang / Dinge die die Welt nicht braucht / hätte man das nicht gleich so machen können.

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Maniva Melo. Maniva Melo. Maniva Melo. Meine Frau übte und übte und ja, langsam stieg die Aufregung. Wir werden eine Familie. Eine, die wir natürlich schon längst sind. Und trotzdem: wir werden wieder eine Familie. Wie wir es schon so häufig geworden sind. Als wir uns fanden. Als wir uns verlobten. Als wir uns verpartnerten. Als wir ein Kind bekamen. Als meine Frau den Kleinen adoptierte. Und jetzt? Die Tatsache, dass wir die Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln, ist fast nichts im Vergleich zu dem, was meine Frau vorhat: sie nimmt meinen Namen an.
Ein Name. Eine Familie. Immer und immer wieder.

Jetzt aber schnell. Wir kommen zu spät. Shit, gestolpert. Immer lässt du alles hier stehen. Mann! Hast du schon die Windeln eingepackt? Wo ist die Tasche? Nicht abschließen! Die Papiere sind noch drin! Los, komm jetzt!
Mit wehenden Haaren und viel zu spät fahren wir los und befürchten, unsere eigene Hochzeit zu verpassen 😀
Das Schlimme dabei: würde uns das passieren, wäre niemand überrascht. Unsere Freunde fragen sich eh, wie wir bei dem Chaos überhaupt solange überleben konnten…

Flur rauf, Flur runter, links, rechts, angekommen! Endlich finden wir das Zimmer. Die Tür geht auf.
Uff! Spätestens jetzt wird es uns zweifelsohne bewusst, dass es sich hier um einen rein bürokratischen Akt handelt. Schreibtisch an Schreibtisch. Seitlich von ihnen dürfen wir Platz nehmen. Aus verstaubten Klarsichtfolien holen wir Urkunde um Urkunde heraus und dürfen dafür neue mit nach Hause nehmen. Hier ein Stempel, dort noch eine Unterschrift. Macht fünfzehn Euro, bitte.
Das war’s, denken wir. Die Beamtin geht zum Kopierer. Wir nutzen die Gunst der Stunde und halten unter dem Tisch heimlich Händchen, stecken uns die Ringe zu und küssen uns. Aber nur ganz diskret, damit wir die andere Mitarbeiterin nicht stören. Ein Glück tut sie so als wäre sie ganz und gar in ihren Bildschirm vertieft.

„Hier ist Ihre Kopie. Kommen Sie bitte mit!“
Ahnungslos folgen wir der Beamtin. Ja, wirklich ahnungslos. Mit allem rechnen wir. Nur nicht mit dem, was uns erwartet. Wir werden ins Trauzimmer gebeten. Die Kerzen leuchten. Ein wunderschönes Gedicht wird vorgetragen. Und all das nur für uns.
Wir, nur wir.
Langsam wird uns bewusst was hier passiert – und jetzt leuchten auch unsere Augen und unsere Herzen.

Möchten Sie, Frau Maniva Melo, mit der hier anwesenden Frau Maniva Melo die Ehe eingehen? Dann antworten Sie bitte mit ja.

Lebenspartnerschaft in Ehe umwandeln Ehe für alle

Genau im richtigen Moment drückt der einzige Gast auf den Auslöser. Als wäre es nicht genug, dass der Kleine unser Leben und unsere Herzen sowieso jeden Tag mit wunderschönen Erinnerungen füllt. Unser Versprechen. Für immer.

Ja, ich will

Immer und immer wieder. In guten wie in schlechten Zeiten. Deine Hand ewig halten. In Gesundheit und Krankheit. Bis dass der Tod uns scheidet. Eine Familie sein.
Ja, ich will.