Das Leben ist bunt! Ich freue mich mit euch: ein neuer Beitrag meiner Reihe „Regenbogenfamilien erzählen“ ist bereit, von euch gelesen und geherzt zu werden ❤
Heute gibt uns Single Mom Melanie aus Baden-Württemberg einen Einblick in ihr Leben unter dem Regenbogen! Vielen lieben Dank für deine offenen Worte und euch allen viel Spaß beim Lesen.

Regenbogenfamilien im Interview: Single Mom Melanie aus Baden-Württemberg

Ich bin 32 Jahre alt und komme aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg. Seit einigen Jahren habe ich einen großen Kinderwunsch und verfolge meinen Traum vom Wunschkind…als Single. 
Auf meinem Blog habe ich etwas über meinen Weg geschrieben!

Als Single Mom ein Kind zu bekommen – wie & wann ist diese Entscheidung gefallen?

Für mich haben Kinder schon immer zu meinem Lebensentwurf gehört. Die damals noch verrückte Idee, es halt alleine in Angriff zu nehmen, spuckte schon einige Jahre in meinem Kopf herum. Gefestigt hatte sich der Wunsch nach einem Baby dann 2014. Ich bin glückliche Singlefrau und suche momentan keine Beziehung, schließe es aber für die Zukunft nicht aus. Momentan steht aber der Kinderwunsch im Vordergrund.
Ich habe angefangen mich mehr mit dem Thema Single Mom zu beschäftigen, habe viel im Internet und Büchern gelesen und mich dann entschieden mich alleine auf den Weg zu machen.

Wie gingen Freunde und Familie damit um, als du ihnen von eurem Wunsch erzählt hast?

Die erste Vertraute war meine Schwester, der ich sehr nahe stehe. Sie hat mir zugehört und mich ermutigt, meinen Weg zu gehen. Sie weiß immer über jeden Schritt Bescheid und ist immer für mich da. Sie ist selbst alleinerziehend mit zwei Kindern und beweist mit täglich, dass man das auch alleine gut schaffen kann.
Meine Mutter war anfangs nicht so begeistert, aber nach vielen offenen Gesprächen, toleriert sie meine Entscheidung und hört mir zu.
Sonst habe ich im realen Leben lange Zeit niemanden eingeweiht, weil ich Angst vor negativen Reaktionen hatte. Im Internet konnte ich offener damit umgehen. Zum einen bin ich Mitglied im Forum für Singlefrauen mit Kinderwunsch (SFMK), zum anderen hat sich aus einem offenen Forum eine eingeschweißte Communty gebildet, die mich alle unterstützen… Auch wenn alle auf herkömmlichen Weg ihre Familie (Mann und Frau) gegründet haben/gründen.
Als ich anfing im Freundeskreis etwas offener mit meinem Kinderwunsch umzugehen, bekam ich nur positives Feedback. Mittlerweile wissen einige Freundinnen über meinen Weg Bescheid und alle akzeptieren es. Die Meisten wissen auch, dass ich schon immer Kinder wollte und alle respektieren meinen Wunsch nicht nachzufragen wie es momentan läuft.

Was für Gedanken & Sorgen hast du zu der Zeit gehabt?

Die ersten Gedanken waren welchen Weg ich wähle. Es gibt so viele Varianten angefangen vom anonymen bis zum offenen Samenspender. Wähle ich eine Samenbank? Lasse ich mir das Sperma aus Dänemark nach Hause liefern oder in eine Klinik/zu einem Arzt? Will ich einen privaten Spender?
Nach reiflicher Überlegung habe ich mich für die offene private Samenspende entschieden. Zum einen hoffe ich, dass das Kind seinen leiblichen Vater kennenlernen kann, wann es dies möchte (und nicht wie bei Samenbanken erst mit 18 Jahren) und auch wenn ich mit dem Mann keine Partnerschaft eingehe, ist mir die Sympathie einfach total wichtig.
Was mir großes Kopfzerbrechen bereitet hat, wie man einen passenden Spender auswählt. Es gibt leider sehr viele komischen Männer, die oft nur auf Sex aus sind, merkwürdige Vorstellungen haben oder aufdringlich werden. Ich lasse mir Zeit und vertraue auf mein Bauchgefühl und treffe mich nur an öffentlichen Plätzen mit den Männern.
Durch das SFMK-Forum habe ich mir um Rechtliches wenig Sorgen gemacht. Für mich ist klar, der Vater wird als unbekannt eingetragen. Über manches mache ich mir zwar Gedanken, aber lasse es auf mich zukommen, wie z.B. Elterngeld, Elternzeit, Kita usw.
Große Sorgen mache ich mir nach wie vor, wann es endlich klappt mit einer Schwangerschaft.

Dein Kinderwunsch ist noch nicht in Erfüllung gegangen. Wie weit bist du mit den Versuchen? Wie genau gehst du vor?

Ich befinde mich auf einem langen und sehr harten Weg mit vielen Rückschlägen. Ich war zwischendurch verzweifelt und der Kinderwunsch hat teilweise mein ganzes Denken und Handeln beherrscht.
Ich befinde mit momentan im 22. Versuch, seit Mai 2015. Es gab Spenderwechsel und zwei Versuche bei einem Arzt mit ausländischem Spendersamen in München. Letztendlich bleibe ich beim privaten Spender und habe da einen zuverlässigen Mann gefunden. Wir machen es per Bechermethode. Zwischendurch hatte ich auch die natürliche Zeugung getestet, aber das fühlt sich für mich einfach nicht richtig an.
Meine Schilddrüse wurde letztes Jahr getestet und richtig eingestellt, seitdem habe ich wieder große Hoffung. Ich hatte einige Male ein Zyklusmonitoring beim Frauenarzt um heraus zu finden wann mein Eisprung ist. Das hat mich aber so unter Druck gesetzt, dass ich das bleiben lasse. Ich mache seit Beginn meines Kinderwunsches NFP (natürliche Familienplanung) und kann damit mittlerweile sehr gut meinen Zeitraum des Eisprungs eingrenzen.
Ich bin von Grund auf ein sehr optimistischer Mensch und wüsste nicht wie ich anders damit umgehen könnte. Es gab Zeiten da habe ich geweint und war wirklich zutiefst am Boden zerstört, wenn meine Menstruation kam. Ich habe mir zwischendurch Pause-Zyklen gegönnt und da alles gemacht auf das ich sonst verzichtet habe.
Mittlerweile versuche ich mein Leben einfach zu leben und zu genießen und mich nicht zu sehr auf den Kinderwunsch zu versteifen. Trotzdem versuche ich es jeden Monat, aber ich schaffe es besser abzuschalten und denke nicht nur an eine mögliche Schwangerschaft. Ich kann sagen zur Zeit geht es mir sowohl körperlich als auch psychisch sehr gut.
Künstliche Befruchtung wäre für mich auch eine Möglichkeit. Leider ist das aber auch ein großer finanzieller Aufwand und somit meine momentane Hürde, denn ich möchte nicht mein komplettes Erspartes aufbrauchen bzw. einen Kredit aufnehmen. Was aber in einigen Jahren ist, kann ich jetzt nicht absehen.

Love makes a Family

Wie stellst du dir den künftigen Kontakt zum Spender vor?

Zu viele Vorstellungen habe ich nicht. Ich wünsche mir einen lockeren Kontakt per Mail o.ä. Und eventuell ein paar Mal im Jahr ein Treffen. Das Wichtigste ist mir, dass das Kind seine Wurzeln kennenlernen kann. Ich denke es wird sich mit der Zeit zeigen wie sich der Kontakt entwickelt.

Was empfindest du als die größten Herausforderungen bei der Erfüllung des Kinderwusnches? Welche sind die schönsten Erinnerungen?

Eine große Herausforderung ist, dass man immer als eine Art Sonderling gesehen wird. Leider sehen die Meisten eine Familie als einen Zusammenschluss von Mann und Frau mit Kindern, dabei gibt es doch so viel mehr. Eine weitere Herausforderung ist für mich, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Oft habe ich pro Zyklus nur einen Versuch. Mit einem Partner könnte ich es einfach an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen probieren.
Die schönsten Erinnerungen sind auf jeden Fall die tolle Unterstützung von Freunden und Familie und dass ich mehr zu mir Selbst gefunden habe. Außerdem habe ich das Gefühl, dass sich durch die offenen Gespräche eine noch engere Beziehung zu meiner Mutter und Schwester aufgebaut hat.

Wie empfindest du den Umgang mit den Ärtzen / Behörden? Fühlst du dich ernst genommen?

Bisher hatte ich nur Kontakt mit meinem Frauenarzt und muss gestehen, dass er nichts über meinen Singlestatus weiß, aus Angst, dass er mich dann nicht mehr unterstützen würde.
Allgemein finde ich, dass auch andere Familienkonstellationen mehr in den Fokus gehören und besonders Behörden sollten besser darauf spezialisiert werden.

Habt ihr Tipps für andere Regenbogenfamilien, die am Anfang der Familienplanung stehen?

Glaube an dich und gib nicht auf. Lass dir Zeit und informiere dich.
Der Austausch mit anderen Menschen, egal ob in der gleichen Situation oder nicht, tut so gut. Meistens macht man sich vorher so viele Gedanken. Rede offen über deinen Kinderwunsch mit Freunden und Familie. Mir hat das gut getan offener mit meinem Kinderwunsch umzugehen und trotzdem würde ich es nicht allen erzählen.

Was wünschst du dir für deine Zukunft als Single Mom?

Zuallerst wünsche ich mir eine glückliche Familie mit mindestens zwei Kindern. Desweiteren würde ich mir wünschen dass alle Familienkonstellation gleichgestellt werden und Frauen mit Kindern allgemein besser gestellt werden.

Nachtrag:

Ich habe nie aufgegeben und wie immer gegen Ende des Zykluses machte sich große Hoffnung breit, dass es geklappt haben könnte. Da ich aber schon öfter Anzeichen hatte und ich nicht schwanger war, versuchte ich nicht zu sehr darauf zu hoffen.
Es war an einem Sonntag morgen, ich war den zweiten Tag überfällig und machte einen Test. Nach kurzer Zeit erschien der zweite Strich…POSITIV. Ich konnte es erst gar nicht glauben und war total überwältigt.
Es ist immer noch ein unglaubliches Gefühl, fühlt sich surreal an, aber gleichzeitig so richtig und perfekt. Etwas realer wurde es als in der 8. Schwangerschaftswoche das kleine Herzchen im Ultraschall geschlagen hat.

Single Mom Interview Der Kinderwunsch bei alleinstehenden Frauen

Wollt ihr auch mitmachen?

Ich freue mich immer über neue Familien (auch welche in spe), die mitmachen möchten. Und ein offenes Ohr für eure Fragen habe ich auch noch – falls ihr schon immer etwas über das Thema wissen wolltet, her damit!
Hier könnt ihr mich kontaktieren – ich freue mich sehr von euch zu hören!