Das war es also, 2019. Dieses unglaubliche, unvergessliche, verrückte Jahr, an dessen Ende ich mir nichts sehnlicher gewünscht habe, als dass es endlich zu Ende geht. Es waren wirklich intensive und lehrreiche 12 Monate, in denen ich mehr als nur 12 Mal über meine eigenen Grenzen hinaus gegangen bin – und noch weit darüber hinaus.
Unsicherheiten, Sorgen, Trauer und Hilflosigkeit waren meine ständigen Begleiter. Doch mit jedem Tag habe ich dafür gekämpft, dass diese Gefühle, wenn sie denn schon unbedingt bei mir sein möchten, gefälligst neben mir zu laufen haben.
Nicht vor mir, weil sie somit meine Sicht auf die Hoffnung, auf die Freude und auf das Gute versperren würden. Nicht hinter mir, weil sie mich somit dazu bringen würden, ständig nach hinten schauen zu müssen.
Neben mir. Ich habe mit jedem Tag dafür gekämpft, diese Gefühle als einen Teil von mir zu begreifen. Sie anzunehmen, ihnen beizeiten den Raum zu geben den sie brauchen und mit ihnen zu leben.

Ja, zu leben – was das angeht hat es mir 2019 nicht einfach gemacht. Und doch habe ich die letzten Tage und Wochen dazu genutzt, dieses Jahr Revue passieren zu lassen. Habe mir die Krisen, die Tiefs und Rückschläge genau angeschaut. Und dabei entdeckt, dass 2019 doch noch einiges zu bieten hatte. Gute Momente. Sehr, sehr gute Momente sogar. Genau die Momente, die mich etwas größer und lebendiger fühlen lassen. Die, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die, die mir am Ende des Tages das Gefühl geben, in all dem Chaos doch das Richtige zu tun. Die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Momente, auf die es schlussendlich ankommt und die ich heute mit euch teilen möchte.

Roadtrip – mit dem Bus nach Portugal

Die ersten vier Monate waren sehr turbulent. Egal wo ich hinschaute, überall um mich herum waren liegengebliebene Dinge, längst überfällige ToDos und wichtige Baustellen. Jeder Tag hielt etwas Neues bereit, auf das ich sofort reagieren musste und alles andere noch weiter in den Hintergrund rückte. Das Gefühl, dem kraft- und machtlos gegenüber zu stehen machte sich immer breiter und der Druck wuchs ins Unermessliche. Bis es Ende April endlich soweit war und wir uns ins Abenteuer stürzten. Mit dem Bus nach Portugal, 3 Monate unterwegs, nur wir, 24/7.

In einem Zugwagon übernachten, im spanischen Wald verlaufen, Kirschen vom Baum pflücken, zu fünft im Bus schlafen, Freunde besuchen, in den schönsten Kulissen aufwachen, surfen lernen, sich in Lissabon zu Hause fühlen, unter dem blauen Himmel schaukeln, mit Schafen spazieren, Zukunftspläne schmieden, Sterne zählen, von Fröschen geweckt werden, beisammen sein, Kinder während der Fahrt füttern, hoch in den Bergen runter auf die Wolken gucken, sich in Frankreich neu verlieben, einander genießen und einander das Versprechen abnehmen, das Leben zusammen zu meistern – egal was noch kommen mag.
Ja, es war eine unvergessliche Reise, die viel mehr zu bieten hatte als die Stationen, die wir besucht haben. Eine Reise zu unserem Selbst, während der wir viel über uns lernten und noch mehr Vertrauen in uns gewinnen konnten. Definitiv das schillerndste Highlight des Jahres, von dem ich noch heute zehre und an das ich für immer zurückdenken werde.

Das Familienleben

Unser Familienleben in 2019 war geprägt von den unterschiedlichsten Emotionen. Mir fällt es schwer, es in Worte zu fassen, aber ich glaube, turbulent beschreibt das Jahr sehr gut. So viele Beine, wie man sie braucht um so viele Spagate zu machen, hat man ja gar nicht… Und so versuchte ich mit mal größeren, mal kleineren Erfolgen alles unter einen Hut zu bringen. Den Großen nicht zu kurz kommen zu lassen. Ihn zu begleiten, für ihn da zu sein und dem schlechten Gewissen keinen Raum zu geben, wenn es mal wieder Miracoli zum Mittag und Paw Patrol in der Woche gab.
Den Kleinen fördern. Ich raste aus vor Glück wenn ich sehe, welche Fortschritte er macht. Ich bin mir sicher, die Reise hat ihm am meisten geholfen – immerhin konnte er sich hier zwischendurch meinen Argusaugen entziehen und seine Fähigkeiten ganz unbeobachtet ausbauen. Nach der ersten Drehung auf den Bauch in Portugal gab es für ihn keinen Halt mehr, in wenigen Monaten hat er gefühlt ein ganzes Jahr nachgeholt.
Ein Team sein. Meine Frau und ich, wir haben das ganze Jahr durch an einem Strang gezogen, uns in jeder noch so schweren Phase unterstützt und einander gehalten, wenn die andere nicht mehr konnte. Was sehr häufig der Fall war… Denn die Themen, die uns beschäftigen und die Gefühle, die uns begleiten, fordern häufig ihren Tribut. Laute Streits, übermenschliche Erschöpfung, Ratlosigkeit waren ein häufiger Teil unseres Alltags. Aber die Liebe zueinander, unsere Zuversicht und ein unglaublicher Zusammenhalt waren immer einmal häufiger da. Und darauf kommt es an: immer einmal mehr aufzustehen als man hinfällt.

Ein neues Körpergefühl

Im letzten Jahr habe ich 14 Kilo verloren. Etwas, was am Anfang sooo weit weg und unmöglich erschien. Zum Herbst habe ich mit Weight Watchers angefangen und die ersten beiden Monate haben super funktioniert, allein durch sie haben sich 8-9kg verabschiedet. Dann kam mir ein Krankenhausaufenthalt in die Quere, dann noch einer, eine Grippe, eine Reise, Magen-Darm, Weihnachten… Wir kennen das, nicht wahr? Doch schleifen lassen werde ich es definitiv nicht. Denn auf die verlorenen Kilos bin ich mächtig stolz – und dieses Gefühl lasse ich so schnell nicht wieder los.

Übers Loslassen

Eine meiner größten Learnings aus 2019 ist das Loslassen. Es ist aber auch der Bereich, in dem ich offensichtlich den größten Lernbedarf habe. Herrje, was fällt es mir schwer!
Jeden Tag gesundes, frisches Essen auf dem Tisch. Entwicklungsförderndes Spielen und sinnvolle Beschäftigung mit dem Großen. Auch in den sehr, sehr vielen kitafreien Wochen, die 2019 mit sich gebracht hat. Zwei Stunden am Tag für die Okklusionstherapie mit dem Kleinen. Noch eine für Physiotherapie und Massage. Mit dem Hund spazieren. Ihn bei der Gelegenheit nicht nur körperlich beschäftigen. Nachhaltiger leben. Die Wäsche machen. Mich fit halten (oder es überhaupt erst werden). Soziale Kontakte pflegen. Mich abends ohne eine Spur von Müdigkeit an den Laptop setzen und solche Zeilen wie diese tippen. Mails zeitnah beantworten. Bilder bearbeiten. Souverän auf negative Kritik reagieren. Vor allem wenn der innere Kritiker der lauteste ist.
Ich denke, ihr kriegt eine kleine Idee davon, wie realistisch meine Tagesziele sind 😉

Immerhin habe ich inzwischen die Einsicht erlangt, nicht alles gleichzeitig gleich gut zu können. Dass noch nicht mal etwas dazwischen zu kommen braucht, damit das alles nicht hinhaut. Dennoch: Mich von bestimmten Vorstellungen, Prinzipien, Träumen und Plänen zu verabschieden fühlt sich an, als würde ich ein riesiges Pflaster ganz, ganz langsam abziehen, jeden Tag aufs Neue.
Obwohl mir das Jahr viele Gelegenheiten geboten hat, das Loslassen zu üben, habe ich hier immer noch Nachholbedarf. Das ist tatsächlich etwas, was ich unbedingt weiter perfektionieren möchte, denn ich merke, welche positiven Auswirkungen es mit sich bringt. Alles andere bremst mich und meine Gedanken und bringt mich meinen Zielen und Wünsche leider kein Stück näher.

Über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Das ist wirklich ein Thema, welches mich über das gesamte Jahr beschäftigt, belastet und beunruhigt hat. Aber auch eines, bei dem ich die Möglichkeit sah, aktiv etwas zu verändern. Diese Chance habe ich mir nicht entgehen lassen und sie genutzt, um mich besser zu strukturieren und auch hier: um loszulassen. Was beruflich nicht geht, geht eben (noch) nicht. Die Kinder stehen an erster Stelle und es dauert wahrscheinlich noch eine Weile, bis ich die Gelegenheit habe, auch beruflich weiterzukommen.
So zumindest die Theorie – zum Ende des Jahres hin durchkreuzten etliche Krankheiten meine Pläne und meine Arbeitszeiten gingen bis tief in die Nacht. Die Uhr tickte, die Texte flossen nicht mehr, ich brauchte ewig für nur einen Satz, die Uhr tickte noch lauter. Eine nervenaufreibende Zeit, in der die Energie immer kleiner und der Frust immer größer wurde. Diese unbefriedigende Situation möchte ich 2020 unbedingt vermeiden und setze noch stärker auf langfristige, vertrauensvolle Partnerschaften, die Deadlines flexibel halten und bei denen ich eine große, kreative Freiheit genieße.
Denn wenn ich schon beruflich zurückstecke, möchte ich unbedingt die Kreativität, die mir im Laufe der Monate abhanden gekommen ist, neu ausleben. Dafür möchte ich neue Formate ausprobieren, neue Kanäle kennenlernen, auf neue Techniken setzen, neues Wissen ansammeln. Mich weniger daran orientieren, was andere machen oder mich daran messen, wie schnell andere wachsen. Anstattdessen möchte ich euch viel häufiger auf meinem Weg mitnehmen und diesen Blog noch mehr mit Liebe, Persönlichkeit und hochwertigem Content füllen.

Für 2020 wünsche ich mir…

Ich glaube, auch 2020 wird ein Jahr voller Überraschungen und Veränderungen. Anders kann ich mein Bauchgefühl nicht deuten. Denn obwohl ich in den letzten Jahren immer voller Vorfreude auf das neue Jahr geschaut habe, fühlt sich das für 2020 etwas anders an. Verhaltener, gedämpfter. Ich hoffe, es hängt einfach damit zusammen, dass mich pünktlich zu Silvester eine fette Magen-Darm-Grippe erwischt hat, mit der ich immer noch kämpfe. Und dass sich die vertraute Vorfreude in spätestens ein paar Tagen wieder zeigen wird.
Ich hoffe aber auch, dass diese Veränderungen von mir aktiv herbeigeführt werden – um den nächsten Tag ein bisschen besser zu machen als den davor.
Ich wünsche mir Gesundheit, damit ich 2020 meine ganz eigenen Träume verwirklichen kann.
Ich wünsche mir Kraft, um die Altlasten aus dem letzten Jahr hinter mir zu lassen und um die neuen Herausforderungen anzunehmen.
Ich wünsche mir Mut, um meine Ziele zu verfolgen und sie zu erreichen. Vor meinem geistigen Auge sind sie nämlich zum Greifen nah…
Ich wünsche mir Gelassenheit, um mit neuen Rückschlägen umzugehen und immer wieder einen neuen Weg zu finden – egal welche Wendungen er für mich bereit hält.

Und all das wünsche ich euch – auf dass 2020 für uns die schönsten Abenteuer, das bunteste Leben und die lauteste Lache bringt!