Das Leben ist bunt! Ein neuer Beitrag aus der Reihe Interview mit Regenbogenfamilien ist online und bereit, von euch gelesen & geherzt zu werden ❤
Christian und Kevin aus dem Hamburg geben uns heute einen Einblick in ihr Leben unter dem Regenbogen! Vielen lieben Dank für eure offenen Worte und euch allen viel Spaß beim Lesen.

Wir, Kevin, 33 und Christian, 40, kommen aus Hamburg. 
Im Sommer 2020 haben wir unser kleines Töchterchen „Knöpfchen“ adoptiert. Außerdem haben wir noch einen 2 Jahre alten Australian Shepherd namens „Sir Toby“.
Auf dem Profil @papadoption bei Instagram berichten wir aus dem Leben unserer Regenbogenfamilie und nehmen euch mit in unseren Alltag.

Papadoption

Eine Familie werden – wie keimte dieser Gedanke bei euch auf?

Wir lernten uns vor rund 5 Jahren über eine Online-Partnervermittlung kennen. Das erste Date platzte, da es schneite. Christian wohnte in Braunschweig, Kevin in Hamburg. Stattdessen, es war der Valentinstag 2016, telefonierten wir 8 Stunden lang.

Dabei kam auch das Thema Familiengründung auf. Für Christian war dies ein Wunsch, von dem er sich bereits vor Jahren verabschiedet hatte. Stattdessen machte er seine Berufung zum Beruf und wurde Lehrer für Kinder mit geistiger Behinderung.

Gemeinsam ein Kind zu bekommen – wann ist diese Entscheidung bei euch gefallen? 

Für Kevin war relativ schnell klar: Eine Familie ist sein Lebensziel!

Und so sprachen wir bereits bei unserem ersten 8-stündigen Telefonat über das Thema und waren uns schnell einig, wenn möglich, sollte auch eine Familie eine Option in einer Partnerschaft sein. Warum schon beim ersten Telefonat? Man kauft ja nicht die Katze im Sack.

Mit der Öffnung der Ehe für alle wurde dann auch klar, dass einer Adoption nichts mehr im Wege steht. Na gut, nichts ist ein wenig untertrieben. Diverse Gespräche, Hausbesuche, Formalitäten, unzählige Formulare und tatsächlich auch das Bewusstwerden des Gedankens: Was bedeutet ein Kind für uns, unsere Partnerschaft und für uns am Ende als Familie?

Wie gingen Freunde und Familie damit um, als ihr ihnen von eurem Kinderwunsch erzählt habt?

Unsere Familie und unser Freundeskreis waren hellauf begeistert von dem Gedanken und auch bei der Wohnungssuche wurde bereits berücksichtigt, dass ein Kind Platz haben sollte. Das wussten auch die Nachbarn, allesamt bereits im Ruhestand und waren total aus dem Häuschen.

Was für Gedanken und Sorgen habt ihr zu der Zeit gehabt?

Dabei muss man sich dann jedoch mit einigen Sorgen und Nöten beschäftigen: Möchte man lieber ein Säugling adoptieren, aus Deutschland oder dem Ausland, eine Pflegschaft oder doch lieber eine Leihmutterschaft? Am Ende gar nicht so leicht, hier für sich die richtige Antwort zu finden. Und so haben wir einfach den Weg eingeschlagen, der für uns am naheliegend war, wohlwissend, dass auch die anderen auf kurz oder lang in Frage gekommen wären, hätte es mit der Adoption nicht geklappt.

Wie ist euer Kinderwunsch in Erfüllung gegangen? 

Nachdem wir den Prozess dann durchliefen, hieß es: Abwarten. Doch das war gar nicht so einfach. Wir haben dann doch schon mal entgegen den Empfehlungen das Gästezimmer leer geräumt, die Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen und standen in den Startlöchern. Kevin hat noch mal den Job gewechselt zum Sommer hin. Und tatsächlich. Nach 6 Monaten kam der Anruf. Und keine vier Stunden später hielten wir das erste Mal unsere Tochter auf dem Arm. Jeden Tag im Krankenhaus zu verbringen und innerhalb von 2 Tagen ein Kinderzimmer einzurichten, erscheint uns heute total verrückt, aber man entwickelt ungeahnte Fähigkeiten, wenn man es denn nur will. Daran erinnern wir uns heute immer noch sehr gern.

Wir warten noch auf die finale Adoption, die in Hamburg zwischen 12 und 18 Monate dauern kann. Wir freuen uns aber auf den Tag, an dem wir auch auf dem Papier Familie sind. Der Umgang mit dem Jugendamt war dabei immer sehr entspannt und unkompliziert und auch die Adoptionsvermittlungsstelle ist über ihre Entscheidung, so glauben wir, sehr glücklich, auch wenn dort natürlich noch einige konservative Gedankengänge verwurzelt sind, aber hey: Dafür sind wir hier: Um aufzuklären und zu zeigen: Auch zwei Papas schaffen es!

Wie wird bei euch die Aufklärung über eure Familienkonstellation stattfinden?

In ein paar Jahren werden wir unsere Tochter aufklären, darüber, wie sie zu uns kam. Wir sind gespannt, wie dieser Weg sein wird. Wir haben genügend Literatur für eine Schulklasse, um das Thema Regenbogenfamilie zu erläutern und freuen uns, damit umzugehen. Sie wird auch von Anfang an wissen, dass es eine Bauchmama gibt. Aber in erster Linie hat unsere Tochter einfach Glück gehabt und zwei Papas!

Habt ihr Tipps für andere Regenbogenfamilien, die am Anfang der Familienplanung stehen?

Wir würden jeder angehenden Regenbogenfamilie einfach raten: Hört auf euren Bauch, vernetzt euch! Die sozialen Medien bieten so viele Möglichkeiten, andere tolle Regenbogenfamilien kennenzulernen, so wie wir auch Danielas Familie über Instagram kennengelernt haben. Es gibt so viele Möglichkeiten, eine Familie zu gründen und jeder sollte den für sich geeigneten Weg finden. Unsere Tür ist dabei aber immer auf. Wir freuen uns euch mit auf unsere Reise zu nehmen und euch zumindest unsere Geschichte zu erzählen.

Wichtig ist, dass wir laut, bunt und einfach Familie sind. Daher hat Kevin auch ein Kinderbuch veröffentlicht, Timba heißt es (Affiliate Link*). Ein Elefantenmädchen wird hier von zwei Giraffenpapas adoptiert. Und auch auf Instagram berichten wir über uns, sodass wir einfach zeigen: Wir sind herrlich normal mit allen verrückten, aber auch stinknormalen, langweiligen Familien-Facetten. Eine tolle Welt und wir sind glücklich, dass inzwischen auch wir gleichgeschlechtlichen Paare in diese Welt eingeladen sind. Für ein bunteres Miteinander,
Kevin und Christian

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